Frühwarnsystem gegen Stromsperren in Menden

Frühwarnsystem gegen Stromsperren in Menden

Von Heinz Krischer

  • Pro Jahr 70.000 Stromsperren in NRW
  • Hohe Nachzahlungen oft ein Grund
  • Menden will Frühwarnsystem einführen

In diesen Tagen bekommen viele Haushalte Jahresabrechnungen ihrer Energieversorger. In ärmeren Haushalten kann das fatale Folgen haben: Wenn sie hohe Nachzahlungen nicht bezahlen können, droht ihnen eine Stromsperre. Das traf etwa 70.000 Haushalte in NRW im Jahr 2016.

In Menden im Sauerland wurde 300 Haushalten im vorigen Jahr der Strom gesperrt - oft, weil Verschuldete aus Angst Mahnungen nicht öffnen. Deshalb wollen die Stadtwerke jetzt ein Frühwarnsystem gegen Stromsperren aufbauen.

Infos sollen ans Sozialamt gehen

Drei Menschen sitzen an einem Tisch und schauen sich Dokumente an

Beratung der Stadtwerke

Sie wollen Sperrandrohungen auch an Jobcenter und Sozialamt schicken, wenn die Kunden Hartz IV oder Sozialhilfe beziehen. Dann könnten mit Ratenzahlungen Sperren abgewendet werden, hoffen die Stadtwerke.

Nach Informationen des WDR von Freitag (12.01.2018) schreibt die Stadt aktuell alle Hilfeempfänger an, ob sie dem Datenaustausch zustimmen. Diese Vorgehensweise gibt es schon in einigen deutschen Städten. Dort sank die Zahl der Stromsperren deutlich.

"Kalt, dunkel, kein warmes Essen"

Zwei Frauen unterhalten sich, im Hintergrund hängen Lampen

Maria-Cristina Gummert (l.) und Kollegin Veronika Czerwinski

Dass die Folgen gravierend sind, wenn der Strom abgeschaltet wird, weiß etwa Maria-Cristina Gummert von der Hilfs-Aktion "Mendener in Not": "Es ist kalt, dunkel, in Haushalten mit vielen Kindern können sich die Kinder nicht waschen und kein warmes Essen bekommen." Immer wieder müssen Gummert und ihre Kollegen Betroffene in solchen Notlagen beraten.

Plädoyer von Sozialverbänden

Sozialverbände finden die in Menden geplante Vorgehensweise im Prinzip gut. Sie drängen aber auf weitergehende Änderungen: Die Regelsätze für Empfänger von Hartz IV und Sozialhilfe sollten die tatsächlichen Energiekosten abbilden. Momentan seien die Sätze viel zu niedrig.

Stand: 12.01.2018, 13:56