Marode A45-Rahmedetalbrücke: So geht es weiter auf der Sauerlandlinie

Stand: 10.02.2022, 06:00 Uhr

Alle 60 Talbrücken der Autobahn 45 müssen in den kommenden Jahren erneuert werden. Die Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid ist schon jetzt einsturzgefährdet und deshalb gesperrt. Eine ganze Region erstickt im Verkehrschaos.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur gesperrten A45 im Überblick.

Was ist eigentlich los auf der A45?

Alle 60 Talbrücken auf der A45 müssen langfristig erneuert werden. Sie halten der heutigen Verkehrsbelastung nicht mehr stand. Am schlimmsten ist die Situation rund um die marode Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid. Anfang Dezember war die Brücke abrupt gesperrt worden. Nur wenige Wochen später war klar, dass sie nie wieder für den Verkehr freigegeben werden kann, sondern abgerissen werden muss.

Warum ist die A45 so wichtig?

Willy Brandt 1971 bei der Eröffnung der Sauerlandlinie

Willy Brandt 1971 bei der Eröffnung der Sauerlandlinie.

Die A45, auch Sauerlandlinie genannt, ist seit ihrem Bau in den 1960er Jahren die wichtigste Verkehrslinie für Südwestfalen. Sie verbindet das östliche Ruhrgebiet mit dem Großraum Frankfurt. Etwa 88.000 Menschen pendelten im Jahr 2020 jeden Tag nur zwischen Gemeinden und Städten, die direkt an der A45 liegen. Für Millionen Menschen und die Wirtschaft in Südwestfalen ist die Infrastruktur der A45 unverzichtbar.

Welche Auswirkungen hat die gesperrte Rahmedetalbrücke?

Lkw stehen in einer langen Schlangen vor Wohnhäusern in Lüdenscheid

LKW auf der Umleitung in Lüdenscheid.

Die Folgen sind vielschichtig: Unmittelbar betroffen sind die Menschen vor Ort in Lüdenscheid. Denn eine Umleitung der A45 führt Teile des Verkehrs durch die Stadt. Pendler verlieren dadurch Zeit und Anwohner, die direkt an der Umleitung wohnen, sind permanentem Verkehr, Lärm und Abgasen ausgesetzt.

Aber auch die gesamte Stadt Lüdenscheid leidet enorm. Freizeit- und Kultureinrichtungen klagen seit der Brückensperrung über weniger Besucher. Auch im Einzelhandel, bei Restaurants oder Hotels machen sich schon jetzt Umsatzeinbußen bemerkbar.

Beispiel Krombacher: Die Brauerei transportiert ihr Bier über die A45 Richtung Norden. Aufgrund der Sperrung auf der Sauerlandlinie rechnet Krombacher in den kommenden Jahren "mit jährlichen Zusatzaufwendungen im einstelligen Millionenbereich", so ein Sprecher des Unternehmens.

Wie geht es mit der Rahmedetalbrücke weiter?

Am Donnerstagmittag (10.02.2022) hat Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) gemeinsam mit der Autobahn GmbH bekannt gegeben, dass die Brücke noch in diesem Jahr gesprengt werden soll. "Die Sprengung muss technisch gut und sicher vorbereitet sein. Trotzdem wollen wir so schnell wie möglich vorgehen", so Wissing. Das sei ambitioniert, aber leistbar.

Dennoch dürfte dieses Unterfangen schwieriger umzusetzen sein, als die Sprengung der Talbrücke Rinsdorf. Denn das Rahmedetal ist deutlich enger. Außerdem befinden sich Wohnhäuser und Firmengebäude im Bereich unter der Brücke.

FDP Bundesverkehrsminister Volker Wissing

FDP Bundesverkehrsminister Volker Wissing

Für den raschen Neubau könnte die Sprengung förderlich sein. War für den Abriss, Planung und Neubau der Rahmedetalbrücke anfangs von fünf Jahren ausgangen worden, könnte sich diese Zeitspanne jetzt verkürzen.

Wie lange wird der Neubau der Rahmedetalbrücke dauern?

Wann eine neue Brücke das Rahmedetal überspannt, ist noch immer ungewiss. Auch Volker Wissing wollte sich am Donnerstag nicht festlegen. Fest steht allerdings, dass die Autobahn sechsspurig ausgebaut werden soll. Dafür sei normalerweise ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren notwendig.

Dabei handelt es sich um ein streng formalisiertes Genehmigungsverfahren, das über die Zulässigkeit eines Brückenneubaus entscheidet. Dieses Verfahren kostet viel Zeit. Einem schnellen Neubau stünde dies im Weg. Deshalb will Bundesverkersminister Wissing versuchen dieses Verfahren zu umgehen. Dabei "würde es helfen, wenn sich alle einig wären", sagte Wissing. Ob das gelingt ist aber ungewiss.

Wir wollen so schnell wie möglich vorgehen. FDP-Bundesverkehrsminister Volker Wissing.

Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg hat jetzt prüfen lassen, wie so ein Verfahren umgangen und der Neubau beschleunigt werden könnte.

Unter welchen Bedingungen könnte der Neubau beschleunigt werden?

Die leere Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid

Die leere Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid.

Die Ergebnisse dieses Gutachtens liegen dem WDR exklusiv vor. Würde mit vier, anstatt wie jetzt geplant mit sechs Spuren, neugebaut, könnte das Planfeststellungsverfahren übersprungen werden. Dennoch hat sich Minister Wissing heute dagegen ausgesprochen: "Es macht keinen Sinn eine Brücke auf dem Stand des vergangenen Jahrhunderts zu planen."

Wie und wann mit dem Neubau angefangen werden kann, ist allerdings nach wie vor noch nicht entschieden. Fest steht: ohne ein Planfeststellungsverfahren könnten Monate, wenn nicht Jahre gespart werden.

Der WDR berichtet über dieses Thema am 10.02.2022 im Fernsehen, unter anderem in der Aktuellen Stunde sowie in der Lokalzeit im Fernsehen und im Radio.