Fleisch: Produktion und Verzehr in der Kritik

Nahaufnahme Prospekte verschiedener Discounter mit Angeboten für Fleisch

Fleisch: Produktion und Verzehr in der Kritik

Nach den mehr als 650 Corona-Infektionen beim Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück flammen neue Diskussionen über Fleischproduktion und den Verzehr auf.

Seit Mittwoch (17.06.2020) ist bekannt, dass sich mehr als 650 Arbeiter beim Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit dem Coronavirus infiziert haben. Der Vorfall sorgt für große Diskussionen über die Bedingungen in der Fleischproduktion und über den Verzehr von Fleisch.

"Nachfrage über Discounter"

Der Vorsitzende des westfälisch lippischen Landwirtschaftverbands, Antonius Tillmann, fordert eine breit angelegte Diskussion über den Verzehr und den Konsum. Im WDR-Hörfunk sagte der Chef der Landwirte: "Solche Schlachter wie Tönnies sind entstanden, weil die Nachfrage über große Discounter geht." Tillmann regt die Frage an, ob demnächst wieder mehr Fleisch direkt vermarktet werden könne.

Keine Lieferschwierigkeiten

Trotz der angekündigten Schließung des Betriebs in Rheda Wiedenbrück erwartet der Discounter Aldi keine Lieferschwierigkeiten. Die Warenverfügbarkeit der entsprechenden Fleischprodukte erfolge bis auf Weiteres auf dem gewohnt hohen Niveau, teilt ein Sprecher des Unternehmens mit.

Tönnies versucht, die Tiere in anderen Schlachthöfen des Unternehmens zu verarbeiten.

Diskussion über Produktionsbedingungen

Jo Hiller besucht einen Schlachthof.

Mit dem Auftreten der Coronainfektionen ist auch wieder die Diskussion um die Bedingungen in der Fleischindustrie neu entbrannt. Bereits im Mai, als Corona-Infektionen bei Westfleisch aufgetreten sind, hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund die Arbeitsbedingungen kritisiert. Auch Landesumweltminister Karl-Josef Laumann hatte schon im 2019 über deprimierende Arbeitszustände bei der Produktion von Billigfleisch berichtet.

Stand: 18.06.2020, 09:56