Kläger gewinnen Streit um Eber-Sperma in Münster

Das Bild zeigt Ferkel im Stall.

Kläger gewinnen Streit um Eber-Sperma in Münster

  • Kritik an Qualitätstest von Sperma
  • Eber aus Baden-Württemberg belegten den letzten Platz
  • Verwaltungsgericht gibt Zuchtverband recht

Das Verwaltungsgericht Münster musste sich am Dienstag (02.04.2019) mit einem ungewöhnlichen Test und dessen Auswirkungen befassen: Es ging um die Qualität von Eber-Sperma. In der Fachsprache der Tester heißt es nüchtern und kompliziert "Vergleichender Test nach DIN 66052 von vier Endprodukt-Eberherkünften mit gezielter Testanpaarung an verschiedenen Sauenherkünften."Geklagt hatte der Schweinezuchtverband Baden-Württemberg, und er gewann den Rechtsstreit gegen die nordrhein-westfälische Landwirtschaftskammer.

Schlechte Noten für süddeutsche Eber

Die Baden-Württemberger waren erzürnt, weil die NRW-Landwirtschaftskammer bei einem Vergleichstest das Sperma der getesteten Eber ihres Verbandes aus Sicht des Zuchtverbandes zu schlecht beurteilt hat.

Wichtige Orientierungshilfe für Züchter

Der Schriftzug "Verwaltungsgericht Münster" an der Gebäudefront in Großaufnahme.

Veröffentlicht wurden diese Ergebnisse im Jahr 2014, insbesondere im "Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben". Diese Tests sind eine wichtige Orientierungshilfe für Ferkelzüchter, ähnlich wie die Tests der Stiftung Warentest für Käufer von Fahrradhelmen oder Kinderwagen.

Der süddeutsche Schweinezuchtverband kritisierte diesen "10. Warentest für Mastferkel" vehement. Der Sperma-Test selbst weise systematische Mängel auf, zudem lasse er andere Faktoren außen vor. Dazu gehöre zum Beispiel die Genetik der Sauen. Der Warentest und die Weitergabe dieser Ergebnisse seien deshalb rechtswidrig.

Am Ende voller Erfolg für Schweinzuchtverband

Am Ende teilte das Verwaltungsgericht die Ansicht des Schweinezuchtverbandes. Zudem sei die Landwirtschaftskammer als öffentlich-rechtliche Körperschaft überhaupt nicht befugt gewesen, so einen Test durchzuführen. Die Folgen des Urteils (nicht rechtskräftig) sind noch unklar. Möglich wäre zum Beispiel ein Zivilprozess wegen Schadensersatz. Denn der Züchterverband hatte nach eigenen Angaben erhebliche Umsatzeinbußen durch das veröffentlichte Testergebnis erlitten.

Hinweis: Der Text wurde aufgrund von Hinweisen der Landwirtschaftskammer an einigen Stellen geändert. Sie hat uns darauf hingewiesen, dass die Bezeichnung Qualitätstest für Eber-Sperma nicht zutreffend ist und es sich vielmehr um einen Test nach DIN 66052 gehandelt hat. Die Eber aus Baden-Württemberg seien nicht durchgefallen, sondern hätten im Vergleich zu den getesteten Mitbewerbern den letzten Platz belegt.

Stand: 11.04.2019, 15:34

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