Familie aus Gütersloh von Behörden in der Quarantäne vergessen?

Dreiköpfige Familie steht auf dem Balkon ihrer Wohnung in Gütersloh

Familie aus Gütersloh von Behörden in der Quarantäne vergessen?

  • Dreiköpfige Familie seit drei Wochen in Quarantäne
  • Über 100 Anrufe bei Hotlines des Kreises
  • Keine Rückmeldungen von Behörden

In ihrer Wohnung fühlt sie sich eingesperrt, die Decke fällt ihr auf den Kopf - zu dritt auf 60 Quadratmetern lebt Familie Rejall seit Wochen in Quarantäne. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn von den Behörden scheint sie vergessen worden zu sein.

Seit dem 18. Juni sind André und Bettina Rejall mit ihrem Sohn schon zuhause in Gütersloh. André Rejall hat sich wie Tausende im Kreis auf das Coronavirus testen lassen. Das Ergebnis hat er bis heute nicht, die Verzweiflung wächst. „Ich gehe davon aus, dass ich negativ bin, weil ich keine Rückmeldung bekommen habe“, sagt er, „aber wir bräuchten einen Beleg, dass alles super ist, dass wir negativ sind, alleine auch, damit unser Sohn in die Kita gehen kann.“

Anrufe bei Hotline erfolglos

Die Unsicherheit ist groß, „wir sind verzweifelt“, erzählt Bettina Rejall. Anrufe bei der Hotline des Kreises Gütersloh blieben erfolglos, über hundert Mal hat sich das Paar dort inzwischen gemeldet, ohne dass sich etwas geändert hat. Versprechen, dass ein mobiles Team vorbeikommen würde, wurden nicht eingehalten. Die Info-Hotline sei überlastet, viele Mitarbeiter überfordert, erzählt die Mutter.

Ein Gespräch habe sie besonders verärgert: „Da sagte mir jemand vom Kreis, ich wäre ja mit Sicherheit positiv, weil ich mich so nasal am Telefon anhöre. Das ist ja wunderbar, dass man so Ferndiagnosen stellen kann.“ Traurig, sprachlos und wütend sei sie über die Situation.

Informationsstau im Kreis Gütersloh

Das Kreishaus wollte sich gegenüber dem WDR nicht äußern. Eine Mitarbeiterin der Hotline sagt aber, dass die Familie Rejall kein Einzelfall sei. Im Kreis Gütersloh gebe es offenbar einen riesigen Informationsstau. Etwa 4.500 Menschen sind dort noch in Quarantäne - viele von ihnen müssten es wohl gar nicht mehr sein.

Das Paar erwägt jetzt, juristische Schritte einzuleiten.

Stand: 09.07.2020, 12:47