Lippetaler Familie durch Corona-Quarantäne getrennt

Familie in Quarantäne 03:20 Min. Verfügbar bis 21.01.2022

Lippetaler Familie durch Corona-Quarantäne getrennt

Von Heinrich Buttermann

Antje und Ali Limbrock aus Lippetal haben eine heftige Zeit hinter sich. "Ich habe Corona": Mit diesen Worten des Sohnes begann alles.

Es waren die wohl ungewöhnlichsten zwei Wochen im Leben der Familie Limbrock. Kurze Zeit nach dem Sohn erkrankte auch seine Schwester.

Plötzlich war alles anders: die ganze Familie in Quarantäne, dazu die Kontaktbeschränkungen untereinander. Wir haben mit dem Ehepaar Limbrock gesprochen und es im Interview gefragt, was sich alles von einem Tag auf den anderen komplett verändert hat und welche Ängste dabei aufgekommen sind.

WDR: Sie sitzen hier endlich wieder gemeinsam mit ihrer Tochter Linn und ihrem Sohn Jari am Frühstückstisch. Das war für zwei Wochen ein absolutes Tabu. Sie mussten sich komplett aus dem Weg gehen. Die Kinder durften ihre Zimmer im ersten Obergeschoss nicht verlassen. Wie fühlt sich das jetzt an?

Familie in Quarantäne.

Antje Limbrock

Antje Limbrock: "Das ist jetzt ganz wunderbar. Wir hatten eine lähmende Stille im Haus, das war nicht toll. Wir sind es gewohnt durch unsere große Familie, durch unsere vier Kinder, dass das Haus immer ganz voll ist, und wenn dann mein Mann und ich alleine gefrühstückt haben, das war dann nicht so unterhaltsam, obwohl wir uns immer noch viel zu sagen haben." (lacht)

Ali Limbrock: "Das war keine schöne Zeit, wenn man jeden Morgen hier alleine sitzt. Wir haben dann immer erst das Frühstück für die Kinder fertig gemacht, haben das dann nach oben gebracht, haben das dann dahin gestellt, und die haben sich das dann abgeholt, ohne dass wir sie gesehen haben. Wir haben dann hier unten gesessen und immer die bange Frage über allen: 'Wann erwischt es uns?' Denn wir waren eigentlich fest davon überzeugt, dass wir irgendwann auch Symptome zeigen würden, weil wir eben recht eng zusammen leben."

Antje und Ali Limbrock leben in Lippetal und haben vier Kinder, zwei von ihnen leben noch im gemeinsamen Haushalt. Als die beiden Kinder sich mit dem Coronavirus infizierten, änderte sich ihr Familienalltag schlagartig massiv.

WDR: Ihr Sohn wollte die Großmutter im Altenheim besuchen, musste dort einen Test machen lassen. Das Ergebnis: positiv. Wenig später erkrankte dann auch noch die Tochter.

Familie in Quarantäne.

Ali Limbrock

Ali Limbrock: "Das war ein absoluter Schock. Wir hatten nicht damit gerechnet. Er hatte an seiner Arbeitsstelle ein paar Corona-Fälle, deshalb war es nicht so ganz unwahrscheinlich, aber zu dem Zeitpunkt gab es keine Symptome. Aber als er zu seiner Großmutter gefahren ist , um sie zu besuchen, da haben wir nicht damit gerechnet, dass er mit einem positiven Test zurückkommt. Das hat uns schon ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen."

WDR: Sie mussten damals schnell reagieren. Es ging um eine strikte Trennung - auch, um Sie und Ihre Ehefrau nicht zu gefährden. Sie gehören beide zur Hoch-Risikogruppe. Sie sagten mir, dass Sie plötzlich vor vielen Alltagsproblemen standen.

Ali Limbrock: "Ja, das ist sehr komplex. Man weiß natürlich, wie man sich direkt infizieren kann, aber die Frage ist ja, wie man sich über einen sekundären Weg infizieren kann. Wenn zum Beispiel das Geschirr in die Spülmaschine geräumt wird, von denen die Kinder vorher gegessen und getrunken haben, es angefasst haben, vielleicht auf den Teller geniest haben. Oder wenn man die Treppe runter geht und man weiß, dass die Kinder nachts mal eben am Kühlschrank waren, darf man dann den Handlauf anfassen? Oder wenn sie oben mit dem Hund gekuschelt haben, können wir dann noch mit dem Hund kuscheln oder können Viren im Fell sein? Das sind so Fragen, die man sich stellt, und das sorgt dafür, dass man unsicherer wird im Umgang."

WDR: Sie haben mit ihren Kindern per Telefon und Internet gesprochen, durften sie ja nicht besuchen. Wie schwer war das für Sie?

Familie in Quarantäne.

Sohn Jari Limbrock

Ali Limbrock: "Es war befremdlich. Man weiß, die Kinder sind nur ein paar Meter entfernt, und trotzdem war die Kommunikation nicht anders als mit unseren anderen Kindern in Dortmund oder Köln. Da muss man sich erstmal dran gewöhnen."

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Tochter Linn Limbrock

Antje Limbrock: "Also, das war nicht ganz einfach. Uns fehlte so jede körperliche Nähe, sich mal in den Arm zu nehmen. Das war nicht schön, das war alles ganz befremdlich. Das war isoliert. Seitdem kann ich mir vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man gefangen ist, wenn man in Haft ist und was das mit den Menschen auch macht."

WDR: Sie hatten noch Glück im Unglück: Sie wohnen in einem großen Haus auf dem Land, konnten auf dem eigenen Grundstück spazieren gehen. Außerdem waren die Kinder schnell wieder gesund, und zum Glück wurden Sie und Ihre Frau nicht angesteckt. Also alles halb so wild?

Ali Limbrock: "Wir werden oft gefragt, ob Corona für uns seinen Schrecken verloren hat, weil es bei uns ja doch vergleichsweise glimpflich ausgegangen und verlaufen ist. Das Gegenteil ist der Fall: Wir sind noch mehr sensibilisiert, wir haben mindestens genauso viel Angst davor, uns zu infizieren, weil wir jetzt auch gemerkt haben, wie schnell das in eine Familie kommen kann. Das sind nicht nur Zahlen, die man morgens im Radio hört - sondern zeigt, dass diese schlimme Geschichte wirklich mitten unter uns ist."

Das Interview führte Heinrich Buttermann.

Stand: 21.01.2021, 14:14