Chagall-Bild aus Museum in Münster zu anstößig für Facebook

Facebook löscht Chagall-Bild wegen Nacktheit Lokalzeit Münsterland 18.10.2018 01:43 Min. Verfügbar bis 18.10.2019 WDR

Chagall-Bild aus Museum in Münster zu anstößig für Facebook

Von Petra Brönstrup

  • Museum wollte mit Chagall-Bildern werben
  • Facebook hält Posting vermutlich für nicht jugendfrei
  • Museum hält Vorgehen für "absurd"

Schränkt Facebook die Kunstfreiheit ein?

Das Picasso-Museum in Münster wollte mit Bildern des Künstlers Marc Chagall auf Facebook für seine neue Ausstellung werben. Doch Facebook hat das gestoppt, wegen nackter Frauen auf den Bildern.

Museumssprecherin Birthe Sarrazin hat viel Verständnis für die Richtlinien, die Facebook unter anderem zum Schutz von Kindern und Jugendlichen aufgelegt hat. Doch das, was hier passiere, gehe einfach zu weit.

Kontrollsysteme machen keine Unterschiede

Eine Frau steht vor einem Gemälde von einem nackten Gesäß.

Sprecherin Birthe Sarrazin vor einem Bild von Marc Chagall

"Wir reden über Ölgemälde von einem Künstler, die über 90 Jahre alt sind. Das ist Kunst, das ist Kulturgut", sagt Sarrazin. "Dass nun ein amerikanisches Unternehmen durch maschinell gesteuerte Kontrollprozesse sagt, das ist nicht jugendfrei, das ist absurd."

"Facebook unterscheidet nicht zwischen Kunst und Pornographie"

Denn die Museumssprecherin vermutet, dass bei Facebook nicht Menschen, sondern Computer die Werbung aus Münster als anstößig identifiziert haben. "Und die können offenbar nicht zwischen Kunst und Pornografie unterscheiden."

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Fotograf: Joachim Busch

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster wollte auf Facebook werben

Das Picasso-Museum hatte bislang keinen direkten Kontakt zum Unternehmen. Ihm war lediglich auf Facebook angezeigt worden, dass die Werbung, konkret ein Videoclip, in dem Gemälde mit nackten Frauen zu sehen sind, nicht über Facebook weiter verbreitet würde, weil sie gegen die Richtlinien verstoße.

Ein Fall für Facebook-Chef Zuckerberg?

Auch andere Museen sind offenbar schon auf dieses Problem gestoßen. Birthe Sarrazin weiß von einem Museum in Belgien, das auf Facebook pralle Frauenkörper des belgischen Malers Peter Paul Rubens zeigte.

"Die drei Grazien"

Auch mit Rubens-Gemälden wie diesem hatte Facebook schon Probleme

"Dieses Museum hat Facebook-Chef Marc Zuckerberg zu sich eingeladen, um mit ihm das Problem zu erörtern." Sollte Zuckerberg dieser Einladung folgen, könnte er gleich weiterreisen, nach Münster ins Picasso-Museum.

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Stand: 18.10.2018, 20:00

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Felix Albrecht 19.10.2018, 17:41 Uhr

    sehr ich als sehr kleinkariert an!!!

  • 2 Gunther Kersten 19.10.2018, 12:20 Uhr

    Kunst, Naturismus sind ja auch nichts für den "normalen" Fatzebock Consumer! Und warum sollten die bildanalysieren Systeme mehr Kunstverständnis haben als die späteren User? Gunther Kersten, früher mal Student der Naturwissenschaften in Münster an der WWU

  • 1 HaJo Richter 19.10.2018, 12:08 Uhr

    Ich kann da nur dem Museum folgen, die Auslegung der Regeln ist absurd. Dazu fällt mir auch nicht mehr ein. Mehr Konfliktstoff bieten da schon die ausländischen Regeln zur Meinungsfreiheit, was besonders für Deutschland im echten rechtsradikalen Bereich zum Problem werden kann; das muss man aber hier nicht weiter ausführen. Was mich von Facebook aber tatsächlich abhält ist "Big Data" und daher sollten sich sowohl öffentlich rechtliche Medien und auch öffentliche Einrichtungen wie Museen von US-Aktiengesellschaften mit diesem Geschäftsmodell fern halten. Man kann auch für die eigene Sache werben, ohne das der Nutzer ausspioniert wird.