Fall Lügde: Anwalt prüft Klage gegen Landesregierungen

Polizeibeamte der Spurensicherung auf der Parzelle des mutmaßlichen Täters in Lügde

Fall Lügde: Anwalt prüft Klage gegen Landesregierungen

  • Schadenersatzklage gegen Landesregierungen?
  • Vorwurf: Hinweisen nicht ausreichend nachgegangen
  • Entscheidung nach Akteneinsicht

Wegen möglicher Behördenfehler im Missbrauchsskandal von Lügde erwägt der Anwalt eines Opfers eine Schadensersatzklage gegen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Es gehe um einen Fall von möglicher Amtshaftung, sagte der Jurist Roman von Alvensleben dem "Spiegel" laut Vorabmeldung vom Freitag (08.03.2019).

Von Alvensleben vertritt ein zehnjähriges Mädchen, das sexuell missbraucht wurde.

Der Anwalt geht auf WDR-Anfrage davon aus, dass Mitarbeiter der Jugendämter oder der Polizei ihre Amtspflicht verletzt haben. Und zwar, indem sie 2016 Hinweisen auf sexuellen Missbrauch nicht ausreichend nachgegangen waren oder diese nicht weitergegeben hatten.

Endgültige Entscheidung steht noch aus

Das habe nach seiner vorläufigen Einschätzung dazu geführt, dass seine Mandantin vergangenes Jahr missbraucht werden konnte. Wenn er Akteneinsicht bekommen hat, will der Anwalt endgültig entscheiden, ob er eine Schadenersatzklage einreicht.

Lügde: Die Kette des Versagens Westpol 03.03.2019 UT DGS Verfügbar bis 03.03.2020 WDR

Mindestens 31 Kinder missbraucht

Die Missbrauchsserie in Lügde im Kreis Lippe war Ende Januar bekannt geworden. Auf dem Lügder Campingplatz sollen über Jahre hinweg mindestens 31 Kinder missbraucht worden sein.

Darüber hinaus wird geprüft, ob es zur Verletzung von Fürsorgepflichten durch Mitarbeiter von Jugendämtern und zu etwaiger Strafvereitelung im Amt durch Polizisten gekommen sein könnte. Eines der mutmaßlichen Opfer war als Pflegekind bei dem Hauptverdächtigen.

Der Fall Lügde – über Schuld und Verantwortung Westpol: Eins zu eins 07.03.2019 28:59 Min. Verfügbar bis 07.03.2020 WDR

Unabhängig von den zivilrechtlichen Schritten prüft auch eine eigens eingerichtete Ermittlungskommission mögliches Behördenversagen.

Derzeit wird gegen zwei Polizeibeamte sowie acht Jugendamts-Mitarbeiter ermittelt, und gegen vier Mitarbeiter von Organisationen, die den Hauptbeschuldigten und seine Pflegetochter im Auftrag des Jugendamts regelmäßig besucht haben.

Stand: 08.03.2019, 18:00