Ein Stück Alltag: Ukrainische Schwestern gehen zur Schule

Lokalzeit Münsterland 25.03.2022 03:57 Min. Verfügbar bis 25.03.2023 WDR Von Heike Zafar, Detlef Proges

Erste Schulwoche für Kinder aus der Ukraine 

Stand: 25.03.2022, 20:00 Uhr

Mitte März sind Alina (17) und Victoria (10) in Münster angekommen - nach tagelanger Flucht vor dem Krieg. Die beiden haben viel mitgemacht. Jetzt sind sie froh, dass endlich wieder ein bisschen Normalität in ihr Leben kommt.

Von Heike Zafar & Detlef Proges

Seit Montag besuchen sie die Friedensschule in Münster: Alina ist in der 11. Klasse, Victoria in Klasse 5. Die Bischöfliche Gesamtschule  hat ganz unbürokratisch schnell zugesagt, als die Anfrage für die beiden Schwestern kam. Und sie sind inzwischen schon gut angekommen.

Schule hilft beim Ablenken

Beide sind noch etwas schüchtern, alles ist noch sehr fremd. Die Schwestern haben schon in der Ukraine Deutsch in der Schule gelernt, Alina kommt schon ziemlich gut zurecht: "Es ist sehr gut für mich und Victoria, dass die Schule uns geholfen hat. Es ist sehr wichtig, dass wir Deutsch lernen und unser Deutsch verbessern können. Und wir können hier vielleicht Freunde kennenlernen", sagt sie und man sieht ihr an, dass sie sich freut. Die Schule lenkt sie von den dauernden Gedanken an den Krieg und die Sorgen um ihren Vater ab. 

Die zehnjährige Victoria sitzt in der Klasse vor ihren Schulsachen, neben ihr eine ukrainische Lehrerin.

Eine ukrainische Lehrerin hilft Victoria in der Schule

Alina hat schon Mathe, Chemie, Physik und Informatik gehabt und findet alles sehr interessant. Victoria, die kleinere, hat ab und zu Unterstützung einer ukrainischen Lehrerin an ihrer Seite. Zum Glück für die beiden Mädchen gibt es an der Schule drei Lehrerinnen, die Russisch sprechen und den Mädchen helfen. 

Friedensschule organisiert Friedensmarsch

1.500 Schülerinnen und Schüler sitzen auf dem Boden der Schulaula und schauen nach vorne.

Alina spricht in der Aula vor 1.500 Schüler:innen

Freitag, am Ende der ersten Schulwoche, ist ein ganz besonderer Tag für Alina und Victoria. Die Friedensschule hat  - passend zu ihrem Namen - einen Friedensmarsch für die Ukraine organisiert. Die rund 1.500 Schülerinnen und Schüler haben blau-gelbe Fahnen gemalt und Friedenstauben auf Plakate gesprüht. Doch bevor es losgeht zu einem Zug um den Aasee, gibt es ein Treffen in der Aula. Die Schulband spielt und es gibt ein Gebet. Dann tritt Alina auf die Bühne: 

"Die Situation in der Ukraine ist wirklich schrecklich und wir haben keine Ahnung, wann das endet. Wir möchten ein riesiges Danke sagen, dass Sie uns geholfen haben. Und wir hoffen, dass bald Frieden kommt." Alina
Schülerinnen und Schüler laufen mit selbstgebastelten Friedensschildern durchs Grüne.

Die Schüler:innen haben unter anderem Friedenstauben gebastelt

Es gibt tosenden Applaus, die Worte gehen allen sehr nahe. Dann setzt sich der Zug in Bewegung. Für Alina und Victoria ein sehr bewegender Moment und Trost. Sie haben das Gefühl, gemeinsam mit ihren neuen Klassenkameradinnen und -kameraden etwas für ihr Land zu tun. Wenigstens ein kleines bisschen.