Ermittlungen gegen "Colonia Dignidad"- Mitglied aus Gronau eingestellt

Das Eingangstor der Colonia Dignidad im Süden Chiles

Ermittlungen gegen "Colonia Dignidad"- Mitglied aus Gronau eingestellt

  • Beihilfe zum Mord nicht nachgewiesen
  • Mann weist Vorwürfe zurück
  • Angeblich kein Mitglied der Führungsriege

Gegen einen in Gronau lebenden ehemaligen Bewohner der berüchtigten Sektensiedlung "Colonia Dignidad" in Chile wird nicht mehr wegen Beihilfe zum Mord ermittelt. "Die Ermittlungen sind eingestellt worden," teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster Martin Botzenhardt am Dienstag (22.01.2109) mit.

Mann sagt aus, er sei selbst Opfer gewesen

Dem Deutschen war vorgeworfen worden, 1976 an der Ermordung mindestens eines chilenischen Oppositionellen während der Herrschaft von Diktator Augusto Pinochet mitgewirkt zu haben.

Der Mann aus Gronau hatte dies als Verleumdung und Rufmord zurückgewiesen. Er sei selbst Opfer des berüchtigten Sektenführers Paul Schäfer geworden und habe seiner Führungsriege nicht angehört.

Erschießungen habe er nicht mitbekommen

Der Mann räumte ein, er habe auf Befehl Schäfers einen Gefangenen in einem Keller bewacht und versorgt. Von Erschießungen habe er aber nichts mitbekommen. Er habe auch nicht, wie behauptet, die Gräber für die Leichen der Ermordeten ausgehoben. Ebenso wenig sei er an der nachträglichen Exhumierung und Verbrennung von Leichen beteiligt gewesen.

Ermittlungen laufen seit 2016

Nach umfangreichen Erkundigungen bei der chilenischen Justiz konnte die Staatsanwaltschaft keine Tatbeteiligung des Mannes aus Gronau nachweisen, um Anklage zu erheben. Abgesehen von der Beihilfe zum Mord wären alle anderen denkbaren Straftaten aus der damaligen Zeit verjährt. Gegen den Mann war seit August 2016 in Münster ermittelt worden.

Stand: 22.01.2019, 14:14