Erfolgsmodell Sprachpaten im Märkischen Kreis

Erflogreiche Sprachpaten 03:23 Min. Verfügbar bis 12.02.2021

Erfolgsmodell Sprachpaten im Märkischen Kreis

Vor gut einem Jahr startete der Märkische Kreis die Aktion "Sprachpaten". Dabei helfen Ehrenamtliche Kindern beim Deutschlernen. Ursula Odebralski ist Sprachpatin der ersten Stunde. Im Interview zieht sie nach einem Jahr Bilanz.

WDR: Frau Odebralski, was hat Sie dazu bewogen, Kindern Nachhilfe in Deutsch zu geben?

Ursula Odebralski: Ich war von der Art des Herangehens von vornherein überzeugt, deshalb habe ich mich als Sprachpatin zur Verfügung gestellt. Wir geben keine Nachhilfe im landläufigen Sinne, wir pauken auch nicht mit den Kindern Vokabeln oder lösen Matheaufgaben. Wir nehmen zwar Inhalte aus dem Unterricht auf, versuchen aber Sprache und Sprachkenntnisse eher spielerisch zu vermitteln. Wir spielen Memory und lernen dabei Begriffe, wir schmökern in Bilderbüchern und versuchen dabei den Kindern Begriffe und ihre Bedeutung klar zu machen.

WDR: Ist dabei das Erfolgserlebnis garantiert?

Ursula Odebralski

Odebralski: Durchaus nicht. Man merkt sehr schnell, ob sich ein Kind für diese Form der Unterstützung öffnet. Entscheidend ist dabei auch das jeweilige Elternhaus. Kinder aus Familien, in denen Bildung und Lernen nicht so wichtig genommen werden, ziehen bei uns Sprachpaten nicht so gut mit. Umgekehrt sind die Kinder mit Begeisterung bei der Sache, wenn sie merken, wie schnell sie Fortschritte machen und im Unterricht besser mitkommen, weil sie alles verstehen.

Ursula Odebralski ist pensionierte Sozialarbeiterin. Sie war eine der ersten, die dem Ruf des Märkischen Kreises folgte und einen Crashkurs zur Sprachpatin absolvierte. Selbst Mutter und Großmutter besucht sie jede Woche eine Grundschule in Altena und bereitet mit ihren Schützlingen Unterrichtsinhalte meist spielerisch auf.   

WDR: Ist Sprachpatin zu sein anstrengend?

Odebralski: Nein, überhaupt nicht. Ich besuche meinen Schützling einmal in der Woche für eine Stunde. Alles findet in der Schule während der Unterrichtszeit statt, also in einem für die Kinder vertrauten Rahmen. Da wir als Sprachpaten keinerlei Noten oder Bewertungen abgeben, entsteht sehr schnell ein Vertrauensverhältnis zwischen uns. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Wenn das Vertrauen erst einmal da ist, nehmen die Kinder alles sehr wissbegierig auf.

WDR: Was ziehen Sie für sich daraus, haben Sie einen Nutzen aus Ihrer Tätigkeit?

Odebralski: Und ob! Erst einmal macht es einfach Spaß zu sehen, wie die Kinder, die ja anfangs zum Teil kaum ein Wort Deutsch sprechen, sich innerhalb kürzester Zeit verständlich machen können und ihrerseits die deutsche Sprache verstehen. Ich freue mich über jeden kleinen Fortschritt! Als das Mädchen, das ich zuerst betreut habe, nach gut einem halben Jahr aus meiner Betreuung herausgenommen wurde, weil sie sie nicht mehr brauchte, da war ich natürlich auch ein bisschen traurig. Aber das ist nichts im Vergleich zu der Freude, wie sich das Kind in der Zwischenzeit gemacht hat! Hier einen kleinen Beitrag geleistet zu haben macht mich stolz und ja, auch glücklich!

Das Interview führte Thomas Rosteck.

Stand: 12.02.2020, 19:38