Elektronische Gesundheitskarte - Arzt aus Siegen ist skeptisch

Ärger um elektronische Gesundheitskarte 03:14 Min. Verfügbar bis 02.07.2020

Elektronische Gesundheitskarte - Arzt aus Siegen ist skeptisch

Von Mike Külpmann

  • Alle Ärzte müssen an das Datensystem angeschlossen sein
  • Viele Mediziner in Westfalen machen nicht mit
  • Verweigerung führt zu Gehaltsverlust

Eigentlich hat Hausarzt Wilfried Deiß aus Siegen nichts gegen Digitalisierung und zentrale Datenspeicher - der 58-Jährige bezeichnet sich selbst als "Technik-Freak". Doch beim Thema elektronische Gesundheitskarte platzt dem Mediziner der Kragen.

Eine "Cloud" für Patientendaten

Als "Skandal" bezeichnet er die Pläne der Bundesregierung, ab 2021 Patientendaten in einer "Cloud" speichern und Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen zugängig machen zu wollen. Seit Monatsbeginn müssen jetzt schon alle Ärzte die nötige Hard- und Software dafür installiert haben.

Gehaltsverlust in Kauf genommen

Wilfried Deiß, Hausartzt aus Siegen

Wilfried Deiß, Hausarzt in Siegen

Wilfried Deiß weigert sich und wird dafür ab sofort ein Prozent seiner Honorare als Strafe zahlen – mehrere tausend Euro. Er hält die Pläne der Politik für einen Verrat an seiner Verschwiegenheitspflicht. "Es hat keine Modellversuche und Praxistests in den vergangenen Jahren gegeben, um die Tauglichkeit des Systems zu testen", moniert er. "Das ist peinlich und unprofessionell".

Allein ist er mit seiner Meinung nicht. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung haben sich in Westfalen-Lippe rund die Hälfte aller Arztpraxen nicht an das Netzwerk der elektronischen Gesundheitskarte angeschlossen – trotz Strafandrohung.

Arzt aus Wenden beteiligt sich

Hausarzt Stefan Spieren aus Wenden gehört nicht dazu. Schon lange hat er seine Praxis-EDV mit einem so genannten Konnektor verbunden, über den später einmal verschlüsselte Patientendaten in den Zentralspeicher weitergeleitet werden. Für ihn kein Horrorszenario, sondern eine Erleichterung für Ärzte und Patienten.

Stefan Spieren, Hausarzt aus Wenden

Durch die "Elektronische Gesundheitskarte" sind Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus alle auf dem gleichen Informationsstand. Arztbriefe auf Papier werden überflüssig, Röntgenbilder und Medikamentenverordnungen sind für alle einsehbar. Bislang funktioniert allerdings nur der Austausch der so genannten Stammdaten auf der Gesundheitskarte: Name, Adresse, Krankenkasse, Geburtsdatum, Versichertennummer – das war's.

Strafzahlungen von 2,5 Prozent ab 2020

Nach und nach sollen weitere Funktionen dazu kommen. Ab 2020 sollen die Strafzahlungen auf 2,5 Prozent des Honorars erhöht werden. Die Kassenärztliche Vereinigung geht davon aus, dass sich bis dahin die Zahl der teilnehmenden Ärzte deutlich erhöht hat.

Stand: 02.07.2019, 12:57