Bürger testen selbstfahrenden Bus in Drolshagen

16.03.2019: Der kleine, eigenständig fahrende Elektrobus namens Sam , Südwestfalen autonom und mobil (ist auch unter Emily bekannt) kann 12 Personen transportieren.

Bürger testen selbstfahrenden Bus in Drolshagen

Von Christian Albrecht

  • Elektrobus fährt alleine durch Drolshagen
  • Bürger können kostenlos mitfahren
  • Ein Meilenstein in die Zukunft des ÖPNV?

Kein Lenkrad, kein Fahrer - wer bei SAM (Südwestfalen – Autonom & Mobil) einsteigt, findet nur sechs Sitzplätze vor. Der vollautomatisierte Bus fuhr am Wochenende (16./17.03.2019) im Demonstrationsbetrieb in Drolshagen im Kreis Olpe.

Test-Passagiere sind neugierig

Auf einer 400 Meter langen Straße pendelt der kleine Elektro-Bus selbstständig den ganzen Tag zwischen drei Haltestellen hin und her. "Das ist ein bisschen wie schweben" erzählt Martina Melcher auf ihrer ersten Fahrt. Und: "Man muss sich schon darauf einlassen, es ist ein wenig wie Fliegen im Flugzeug." Luke Lütticke testet den Bus auch und hofft, dass sich das Projekt durchsetzt. "Der öffentliche Nahverkehr ist hier nicht so gut, deswegen wäre es toll, wenn so ein kleiner Bus zum Beispiel von Iseringhausen nach Drolshagen fährt."

Die Zukunft des ÖPNV auf dem Land?

Autonomer Bus Drolshagen

Sechs Sitz- und Stehplätze im autonomen E-Bus

Genau an solchen Aussagen ist der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS) interessiert. Als Träger des Projektes will er unter anderem herausfinden, ob die Bürger Vertrauen in die neue, autonome Technik haben.

Um den öffentlichen Personennahverkehr für die Zukunft fit zu machen, könnte dieses Projekt die Initialzündung sein. Der Siegener Landrat Andreas Müller ist Verbandsvorsteher des ZWS. Seine Vision: Der Bürger bestellt sich per App einen autonom fahrenden Bus, der holt ihn ab und bringt ihn zum Ziel. So könnte man den ÖPNV in dünner besiedelten Räumen wirtschaftlich anbieten.

Noch viele Hürden

Autonomer Bus Drolshagen

Ein Steward passt im Bus auf

Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. In Drolshagen muss extra ein 400 Meter langer Straßenabschnitt vom Verkehr abgeriegelt werden, weil der Bus keine Straßenzulassung hat. „SAM“ wird per GPS gesteuert, hat viele Sensoren an Bord um Hindernisse zu erkennen, und fährt gemächlich mit 10 bis 15 km/h daher. Außerdem muss immer ein sogenannter Steward mitfahren, der mit einem Notschalter im Ernstfall den Bus anhalten kann.

Positives Echo der Bürger

Aber das Interesse an den Testfahrten ist bei den Bürgern groß, das Echo durchweg positiv. Und wenn die Machbarkeitsstudie gute Ergebnisse liefert und die Finanzierung klappt, könnte schon gegen Ende des Jahres ein echter Probebetrieb in Drolshagen und Lennestadt-Meggen an den Start gehen.

Stand: 17.03.2019, 13:23