Suchtwoche: Interview mit zwei Drogenabhängigen

Suchtwoche: Aktionstage in Lüdenscheid 03:22 Min. Verfügbar bis 05.04.2020

Suchtwoche: Interview mit zwei Drogenabhängigen

  • Aktionswoche zur Suchtprävention in Lüdenscheid
  • Interview mit zwei Drogenabhängigen aus Lüdenscheid
  • Kiffen war der Anfang
  • Weg aus der Kriminalität mit Hilfe von Methadon

„Sucht hat immer eine Geschichte“: Unter diesem Motto startet heute (05.04.2019) in Lüdenscheid eine Aktionswoche, bei der in Vorträgen und Workshops vor allem gezeigt wird, wie man Sucht-Prävention betreiben kann. Wir haben uns mit zwei Lüdenscheidern getroffen, für die das zu spät kommt.

Auf Drogen - Lüdenscheider Suchtwoche

Eine Kollage in der Werkstatt erinnert an über 120 Drogentote

Musa und Erhan sind 37 und 42 Jahre alt und nehmen seit ihrer Schulzeit Drogen. In der „Werkstatt im Hinterhof“ der AWO in Iserlohn erhalten sie regelmäßig Methadon durch eine Ärztin.

WDR: Wie fing Ihre Drogengeschichte an?

Musa: Ich habe jung angefangen -  durch die älteren Kollegen und meine Brüder. Das war im Dorf, in Herscheid. Dann bin ich in Haft gekommen, und danach bin ich noch mehr auf die Substanzen gekommen. Ich habe mit 12 angefangen zu kiffen, mit 13 habe ich das erste Mal Heroin genommen, und bin mit 22 dann abhängig geworden.

Erhan: Mit Haschisch fängt man immer an. Dann, wenn das nicht mehr reicht, nimmt man andere Dinge: Ecstasy, Speed, Kokain - das kommt dann mit der Zeit. Man ist halt in der Gruppe. Da hat man diesen Gruppenzwang: Wenn der raucht, dann kann ich nicht daneben sitzen und nicht rauchen.

Musa: Aber nicht nur Gruppenzwang: Manchmal hat man auch Probleme in der Familie, oder mit sich selbst.

Musa und Erhahn sind in Deutschland geboren, ihre Eltern kamen aus der Türkei, sind aber inzwischen dorthin zurückgekehrt. Seit zehn Jahren nehmen beide an verschiedenen Methadon-Programmen teil. Inzwischen erhalten sie diese so genannte „Substitution“ unter ärztlicher Aufsicht in der „Werkstatt im Hinterhof“ der AWO in Iserlohn.

WDR: Was haben Sie konsumiert?

Musa: Vor allem Heroin. Die heftigste Droge ist Cristal Meth – das macht den Körper direkt kaputt. Ich habe das einmal vier Tag lang genommen und habe gesagt: Nie wieder. Das schlimmste sind die Halluzinationen und Angstzustände.

WDR: Wann wurde Ihnen klar, dass es so nicht weitergeht?

Auf Drogen - Lüdenscheider Suchtwoche

Musa konsumiert seit der Schulzeit Drogen

Musa: Nur noch klauen und Leute bestehlen – irgendwann geht das nicht mehr. Wenn man Stoff kauft, braucht man 20 oder 30 Euro pro Tag Minimum. Da ist es natürlich besser, wenn man zum Arzt geht, wo man geregelt seine Medikamente bekommt. Ist doch besser als auf der Straße, irgendein Gift zu kaufen, wo man eventuell auch sterben könnte...

Erhan: ...oder erst mal klauen geht, um das Geld zu besorgen, um den Stoff zu bekommen. Da gibt’s viele, die dieses Problem haben in Lüdenscheid. Wir können uns zu den Glücklichen schätzen, die hierhin kommen, Medikamente bekommen und Ruhe haben. Wir müssen uns keine Gedanken machen, wo mache ich morgen Geld klar, wo mache ich Stoff klar, dieses Problem habe ich zum Glück nicht.

WDR: Was ist Ihr Traum:

Auf Drogen - Lüdenscheider Suchtwoche

Erhan: Mein Plan ist, dass ich mich dieses Jahr langsam runterdosiere. Dann will ich eine Entgiftung machen und in die Türkei fahren. Da leben meine Eltern. Die sind auch nicht mehr die jüngsten, die möchte ich unterstützen.

Musa: Mein Wunsch ist, dass niemand von irgendetwas oder irgendjemand abhängig sein sollte.

Das Interview führte Mike Külpmann.

Andreas Niedrig zu Gast bei WDR 4

WDR 4 Studiogäste 02.02.2019 12:14 Min. Verfügbar bis 02.02.2020 WDR 4

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Stand: 05.04.2019, 07:02