Fall Lügde: Der dritte Beschuldigte war nicht nur Mitläufer

Fall Lügde: Der dritte Beschuldigte war nicht nur Mitläufer

  • Dritter Beschuldigter in Lügde kein Mitläufer
  • Er soll sich über 20 Jahre lang an Kindern vergangen haben
  • Landgericht erhebt Anklage gegen 34-Jährigen

Die Rolle des dritten Beschuldigten im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde könnte bedeutender sein als angenommen. Er soll sich über 20 Jahre lang an 162 Kindern vergangen haben. Das zuständige Landgericht Detmold hat am Mittwoch (29.05.2019) auch zum dritten Angeklagten Details zu den Vorwürfen veröffentlicht. Die Anklagebehörde wirft demnach einem 34 Jahre alten Mann aus Steinheim insgesamt 162 Fälle des sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kinder vor.

Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" soll Mario S. sich mehr als 20 Jahre lang und an verschiedenen Orten an Kindern vergangen haben. Die ersten Taten soll er bereits mit 15 Jahren verübt haben - und damit lange bevor er den bisher als Haupttäter geltenden Andreas V. aus Lügde kennenlernte. Aus dem übergriffigen Jugendlichen von damals ist offenbar ein notorischer Sexualstraftäter geworden.   

Ausmaß wurde erst nach der Verhaftung klar

Nach Angaben des Landgerichts Detmold umfasst die 45 Seiten lange Anklageschrift Taten im Zeitraum von 1999 bis zum 11. Januar 2019 auf dem Campingplatz bei Lügde, wie das Gericht am Mittwoch (29.05.2019) mitteilte.

Das große Ausmaß der Taten von Mario S. wurde auch den Ermittlern offenbar erst nach seiner Verhaftung klar. Im ersten Haftbefehl gegen Mario S. Anfang 2019 war zunächst vom Vorwurf zur "Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch" die Rede.

Mehrere Kinder sollen in ihren ersten Vernehmungen auch bestritten haben, dass auch Mario S. ihnen etwas angetan hätte. Nach der Verhaftung am 11. Januar offenbarten sich die Kinder ihren Eltern.

Schon 2017 gab es Hinweise 

Nach Recherchen von NDRWDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte das Jugendamt Höxter offenbar bereits 2017 Hinweise: Weil ein Kind im September 2017 einer Mitarbeiterin des Jugendamts Höxter erzählt haben soll, dass es bei S. im Bett schlafe und der Mann es auf den Mund küsse, verbot die Behörde den Kontakt zu Mario S.

Offenbar ermittelten Behörden auch schon früher gegen Mario S.. Bei der Staatsanwaltschaft Paderborn gingen bereits 2004 und 2013 Anzeigen wegen des Verdachts sexuellen Kindesmissbrauchs gegen S. ein. Die Verfahren wurden aber offenbar eingestellt. 

Stand: 29.05.2019, 16:22