Alter Dorfladen – neuer Dorfladen: "Hier gibt es einfach alles ..."

Wolfgang und Ingrid Grewe haben ihren Dorfladen in Amelunxen (Beverungen) 50 Jahre betrieben.

Alter Dorfladen – neuer Dorfladen: "Hier gibt es einfach alles ..."

Von Thomas Wöstmann

Und wieder kämpft ein Dorf um seinen Laden. In Amelunxen bei Beverungen im Kreis Höxter schließen die privaten Betreiber nach 50 Jahren – und eine Dorfgemeinschaft übernimmt. Immer häufiger kommt das jetzt im Land vor.

Es ist ein normaler Donnerstag zwischen Weihnachten und Silvester – und der Laden bei Ingrid und Wolfgang Grewe ist voll, soweit es Corona zulässt. Kommen zu viele Leute gleichzeitig, warten sie auf der Straße, mitten im 1.000-Einwohner-Dorf.

Ein Mann mittleren Alters hat schon zwei Körbe voll: Milch, Nudeln, Käse, Tomaten und vieles mehr – der Silvestereinkauf. "Bring mir noch Druckerpapier, Wolfgang", sagt er. Wolfgang Grewe geht nach hinten und holt das Gewünschte: "Hier, die letzte Packung, Werner. Willste noch Schnitzel? Nimmst du doch sonst auch."

Schnitzel und Druckerpapier, Wolle und Ketchup, Schulheft und Sektflasche

Am Silvestertag öffnen die Grewes zum letzten Mal. "Irgendwann muss Schluss sein", sagen sie. Die Bauchschmerzen über den Schritt sind inzwischen verflogen: "Es geht ja weiter. Und das ist gut so."

Zumal es weiter geht mit jungen Leuten: eine Handvoll Bürger hat sich zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen. Sie will den Dorfladen fortführen; mit einer Marktleiterin, 450-Euro-Kräften und vielen Ehrenamtlichen.

Eine Dorfladen-Gesellschaft übernimmt

Ein spannendes Modell, denn immerhin 250 der 1.000 Amelunxer Bürger beteiligen sich finanziell daran – sie sind Anteilseigner. Der Vorteil: das Risiko hält sich in Grenzen, zunächst würde auch eine schwarze Null reichen.

Schon in wenigen Wochen, im Februar, soll das neue Geschäft öffnen. Es heißt dann nicht mehr "Grewe", sondern "Dorfladen". Die allermeisten der Kunden an diesem Donnerstag wollen wiederkommen, sagen sie.

Der Abschied fällt schwer

So wie auch die Grewes: "Eine Kundin sagte mir, sie müsse weinen", erzählt Ingrid Grewe, "ich habe ihr dann gesagt: Ich weine einfach mit. Und dann sehen wir uns hier bald wieder zum Einkaufen."

An diesem Donnerstag kommen noch Marit und Annika vorbei, zwei kleine Mädchen. Sie geben Ingrid Grewe ein selbst gemaltes Bild: "Danke für alles" steht darauf…  

Stand: 30.12.2021, 18:00