VW-Konzern muss auch Diesel aus NRW zurücknehmen

VW-Konzern muss auch Diesel aus NRW zurücknehmen

  • Neun Verfahren zur VW-Dieselaffäre
  • Drei Kläger erhalten Schadenersatz
  • Kläger gegen Händler gingen leer aus

Elmar Reineke aus Nieheim im Kreis Höxter hatte direkt gegen den VW-Konzern geklagt und vor dem Landgericht Paderborn am Donnerstag (28.12.2017) Recht bekommen. Seinen VW Tiguan 2,0 Turbodiesel, den er vor vier Jahren erworben hatte, muss der Hersteller zurücknehmen und den Kaufpreis abzüglich Nutzungsentgelt erstatten.

Älterer Herr im Porträt

Kläger Elmar Reineke aus Nieheim

Das Landgericht war der Begründung der Klage gefolgt, dass die Schummelsoftware im Motor eine vorsätzliche Schädigung des Eigentümers sei. Das hatte der Richter bereits beim Auftakt der Prozesse Anfang Dezember durchblicken lassen. Wie Reineke, so gingen auch zwei weitere Autokäufer erfolgreich aus diesem Verfahren.

Händler hätten Nachbessern können

Ehepaar vor seinem Auto mit Dieselmotor

Kläger Jochen und Heike Meusel aus Warburg

Die anderen sechs VW-Besitzer, darunter das Ehepaar Jochen und Heike Meusel, hatten nicht den Konzern, sondern ihre Händler auf Schadenersatz verklagt. Ihre Klagen wurden abgewiesen, weil die Händler zunächst Gelegenheit hätten haben müssen, den Mangel zu beseitigen.

VW einigt sich häufig außergerichtlich

Wie in vielen ähnlichen Verfahren zuvor werden auch dieses Mal wahrscheinlich sowohl VW als auch die unterlegenen VW-Fahrer Revision beim zuständigen Oberlandesgericht Hamm einlegen. In den bisherigen Fällen gab es anschließend offenbar außergerichtliche Einigungen, denn die Klagen wurden jedes mal wieder zurück gezogen.

Windschutzscheibe mit Aufklebern

Autoaufkleber gegen den Dieselbetrug

Die Verfahren werden gebündelt, weil es so viele sind und sie sich inhaltlich ähneln. Bundesweit gebe es rund 8.000 Klagen, so ein VW-Sprecher, etwa 1.000 seien entschieden. Nach Angaben von VW seien 70 bis 75 Prozent zugunsten von VW ausgegangen. Wenn jedoch die Kläger gewinnen, ist VW häufig auf eine außergerichtliche Einigung aus.

Die Zahl der Verfahren sei auch deshalb so groß, so VW, weil Anwaltskanzleien bundesweit mit markigen Sprüchen wie "Kein Risiko" oder "VW und Händler knicken ein" um Betroffene geworben haben. Außerdem endet für viele Kunden mit Ende dieses Jahres auch die Verjährungsfrist.

Stand: 28.12.2017, 15:53