Hoffnung für Corona-Erkrankte mit Medikament aus Münster

Neues Coronavirus-Medikament made in Münster Lokalzeit Münsterland 28.01.2021 02:37 Min. Verfügbar bis 28.01.2022 WDR Von Andrea Walter

Hoffnung für Corona-Erkrankte mit Medikament aus Münster

Einwirksames Medikament gegen Covid-19 würde der Pandemie den Schrecken nehmen. Forscher aus Münster entwickeln gerade so ein Medikament. Das hat auch mit einem glücklichen Zufall zu tun.

Normalerweise steht Prof. Dr. Stephan Ludwig als Virologe nicht besonders im Rampenlicht. Aber was ist gerade schon normal? In Münster erlebt Ludwig gerade, was passiert, wenn der Zufall hilft und sich die Ereignisse überstürzen.

Ein Hoffnungsschimmer mit Zufall

Ein Krankenpfleger in Corona-Montur an einem Krankenbett

Gerade bei schweren Verläufen könnte ein Medikament helfen

Eigentlich hatte Stephan Ludwig ein Medikament gegen Grippe entwickelt. Bis so ein neues Medikament entsteht, dauert es lange. Sehr lange. Dann brach sich die Corona-Pandemie ihre Bahn - und bei Ludwig und seinen Forscher-Kollegen wurde klar: Das Medikament ist auch wirksam gegen Covid-19. Wie wirksam, dazu laufen gerade die klinischen Tests.

Der Krankheit den Schrecken nehmen

Besteht das Medikament auch weiter, wäre es neben dem Impfstoff ein wichtiger Baustein, um der Krankheit ein Stück weit den Schrecken zu nehmen. Seit kurzem wird das Medikament einer größeren Gruppe von Patienten mit schweren Corona-Infektionen in der Berliner Charité verabreicht.

Vermehrung der Viren ausbremsen

"Unser Medikament hat eine besondere Wirkweise: Es wirkt nicht direkt gegen die Viren, sondern hemmt einen Faktor in der Zelle, die alle Viren brauchen, um sich zu vermehren", erklärt Ludwig. So entziehe man dem Virus die Grundlage für seine Vermehrung.

Besonders Corona-Patienten auf Intensivstationen und mit schweren Verläufen könnten darum auf das Medikament ansprechen, hoffen die Forscher.

Gegen die Überreaktion des Immunsystems

Eine Frau mit dunklen Haaren pipetiert in ein Gefäß

Das Team von Professor Ludwig forscht schon seit Jahren

Denn oft verursachen nicht die Viren selbst den schweren Krankheitsverlauf, sondern der Kampf des Immunsystems gegen das Corona-Virus, erklärt Prof. Ludwig geduldig. "Gerade sehr schwer infizierte Patienten haben eine Überreaktion des Immunsystems und die kann man normalisieren durch das Medikament."

Bestenfalls im nächsten Jahr auf dem Markt

Wenn alles gut läuft, könnte das Medikament im nächsten Jahr zur Verfügung stehen, hoffen die Forscher. Ganz besonders für die vielen Corona-Infizierte mit schweren Symptomen wäre das Medikament aus Münster ein Hoffnungsschimmer.

Allein hier wo Ludwig arbeitet, im Klinikum der Universität Münster, sind Hunderte dieser Patienten gepflegt und beatmet langsam genesen - und doch sind zu viele gestorben, weil es kein Gegenmittel gibt.

Stand: 29.01.2021, 07:15