Rheda-Wiedenbrück: Leben im Corona-Hotspot

Polizeipräsenz zu Coronazeiten in Rheda-Wiedenbrück

Rheda-Wiedenbrück: Leben im Corona-Hotspot

Von Jacqueline Nienhues

  • Polizisten statt Touristen
  • Idylle wird zur No-Go-Area
  • Schockstarre im öffentlichen Raum

Autobahn 2, Abfahrt Rheda-Wiedenbrück am Dienstagmittag (23.06.2020): Ein Dutzend Mannschaftswagen geben einen Vorgeschmack auf das, was in der Innenstadt wartet: Polizeipräsenz. Seit dem massenhaften Corona-Ausbruch im Fleischkonzern Tönnies gewöhnen sich die Einwohner des Doppelstädtchens an Uniformen: Bundeswehr, Polizei und Hilfsdienste sollen gegen das Virus kämpfen.

Uniformierte Fremde vor der Tür

Corona-Kontrolle in Rheda-Wiedenbrück

Wer hatte Kontakt?

Martialisch anmutende Corona-Teams auf dem Weg zu Tönnies-Werksarbeitern sorgen für Fragen in den sozialen Netzwerken: Klingeln die jetzt bei jedem einfach so und machen Abstriche? Stehen alle unter Generalverdacht? Wer hatte schon Kontakt mit Infizierten, die schon längst in Quarantäne hätten sein müssen? "Keiner weiß, wie viele Menschen das Virus tatsächlich haben", sagt ein Wiedenbrücker.

Urlaub in Gefahr

So groß wie die Angst ist das Stigma, im Ort der Masseninfektion zu leben. Rheda-Wiedenbrück ist ein "no go", Urlauber von dort sind vielerorts unerwünscht. Nun geht die Panik viral: Was ist mit der Ferienbuchung? Lässt man mich überhaupt raus? Auf der Website der Stadt gibt es den Hinweis: "Es herrscht kein Reiseverbot, es gilt aber der dringende Appell (...), das Kreisgebiet nicht zu verlassen."

"Out of" Rheda-Wiedenbrück

Urlaub zu machen wird schwer, wenn man aus dem Kreis Gütersloh kommt. Bayern will seit Dienstagnachmittag Rheda-Wiedenbrücker nur noch mit negativem Coronatest einreisen lassen, Schleswig-Holstein zieht wenige Stunden später nach: Bei der Ankunft am Urlaubsort sollen Menschen für 14 Tage in Quarantäne. Das verheißt keine Erholung. Autoreisende suchen für ihre Ferien ein anderes Nummernschild.

Das Ende der Geselligkeit

Wenig los auf dem Wiedenbrücker Marktplatz in Corona-Zeiten

Manche Gastronomen machen wieder dicht

Normalerweise wäre es bei sommerlichen 27 Grad am Dienstagabend brechend voll auf dem historischen Marktplatz im Ortsteil Wiedenbrück, aber "der Italiener" ist nicht ausgebucht sondern besorgt: "Die Menschen dürfen zwar raus, aber viele wollen nicht - verständlich. Ihnen wurde geraten, zu Hause zu bleiben"sagt Restaurantleiter Gianni Rinaldi. Die Stimmung sei gedrückt und aufgeheizt. Das Traditionshaus Reuter von 1894 hat als Top-Adresse für Gourmets normalerweise einen großen Radius. Spitzenköchin Iris Bettinger holt beständig Auszeichnungen nach Rheda-Wiedenbrück. Am Dienstagnachmittag gibt der Familienbetrieb bekannt, die Gastwirtschaft zeitweise zu schließen - schon wieder: "Es gibt einfach zu viele Stornierungen, so können wir nicht kostendeckend arbeiten", heißt es. So fühlt sich ein "Shut-Down" an - im wörtlichen Sinn...

Reaktionen aus der Region um Gütersloh

WDR 5 Westblick - aktuell 23.06.2020 03:13 Min. Verfügbar bis 23.06.2021 WDR 5 Von Thomas Wöstmann


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Lockdown im Kreis Gütersloh und Warendorf

WDR 5 Westblick - aktuell 23.06.2020 06:26 Min. Verfügbar bis 23.06.2021 WDR 5 Von Stefan Lauscher


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Stand: 24.06.2020, 10:33