Schützenwesen als Anker in der Krise

Schützenhut

Schützenwesen als Anker in der Krise

Von Alexa Schröder

Schützenvereine in Westfalen sind durch Corona hart getroffen. Das bestätigen Wissenschaftler der Universität Paderborn. Sie haben Schützen zu den Auswirkungen befragt.

Ein Bier mit Nachbarn an der Theke oder ein Gespräch mit alten Schulfreunden: All das musste in diesem Jahr ausfallen, wegen der Corona-Pandemie wurden die Schützenfeste abgesagt.

Viele Vereine hat das hart getroffen - finanziell, aber vor allem zwischenmenschlich. Das bestätigen Wissenschaftler der Universität Paderborn. Sie haben in den vergangenen Monaten knapp 2.300 Schützen zu den Auswirkungen der Pandemie befragt.

Die aktuelle Online-Umfrage macht deutlich: Geselligkeit und Gemeinschaft - also die Werte, die in der Krise nur schwer zu leben sind - zeichnen das Schützenwesen besonders aus. Über 90 Prozent der Befragten sind dieser Meinung.

Ausfall der Feste richtige Entscheidung

Jonas Leineweber von der Universität Paderborn

Jonas Leineweber

“Bei diesen Angaben wird die Tragweite der Pandemie für das Schützenwesen in Westfalen besonders deutlich. Die Corona-Krise hat die Vereine massiv getroffen", so Jonas Leineweber von der Universität Paderborn.

Trotzdem gaben 95 Prozent der befragten Schützen an, dass die Absage der Schützenfeste die richtige Entscheidung war. Aus ihrer Sicht müssen die Vereine in der aktuellen Lage vor allem Werte wie Vernunft, Solidarität und Gemeinschaft vermitteln.

Keine Entwöhnung festzustellen

Schützenfestteilnehmer in Medebach beim Festumzug

Ein Bild aus besseren Zeiten: Festumzug beim Bundesschützenfest in Medebach 2019

Viele Vorstände hatten die Befürchtung, dass die Absage vieler Veranstaltungen auch die Bedeutung des Schützenwesens verringert. Das können die Wissenschaftler der Universität Paderborn nicht bestätigen. Eine Entwöhnung sei nicht messbar, heißt es. Jeder vierte Befragte gab an, dass die Bedeutung in der Krise noch gestiegen sei.

“Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass durch den vielerorts erstmaligen Wegfall der Feste seit dem Zweiten Weltkrieg der Stellenwert erst richtig ersichtlich geworden ist”, so Jonas Leineweber.

Corona könnte Schützen langfristig schaden

Hält die Pandemie allerdings noch deutlich länger an, hätte dies aus Sicht der Befragten erhebliche Folgen für die Schützenvereine, aber auch das Dorfleben selbst. So rechnen 60 Prozent mit deutlich weniger Mitgliedern, 54 Prozent der Teilnehmer sehen sogar die Existenz der Schützenvereine bedroht. 

Kreativ durch die Krise

Dennoch hat die Corona-Krise wohl auch positive Auswirkungen auf das Vereinsleben der Schützen in Westfalen. Viele haben nach der Absage der Feste im Sommer nach digitalen Lösungen gesucht, um die Menschen virtuell zusammenzubringen. 

Mit großem Erfolg, bestätigen die Wissenschaftler. Gerade im Bereich der Digitalisierung könnte sich die Krise als Katalysator erweisen. Ein Drittel der Teilnehmer gibt an, dass sich ihr Schützenverein während der Corona-Pandemie bei der Nutzung der Sozialen Medien weiterentwickelt hat. 

Die Corona-Sonderstudie gehört zum Forschungsprojekt “Tradition im Wandel” der Universität Paderborn. Sie wird von der Warsteiner Brauerei finanziell unterstützt.

Stand: 18.11.2020, 07:21