Quarantäne für 300: Eine Siegener Studentin im abgeriegelten Wohnheim berichtet

Siegener Studentenwohnheim unter Quarantäne

Quarantäne für 300: Eine Siegener Studentin im abgeriegelten Wohnheim berichtet

Nach 20 positiven Coronatests steht in Siegen gerade ein komplettes Studierendenwohnheim unter Quarantäne: 300 Studierende dürfen nicht mehr raus. Mareike Walkling ist eine von ihnen. Die 22-Jährige wohnt seit Oktober 2018 in dem Wohnheim. Im WDR-Interview erzählt uns die Studentin, wie die Situation dort im Moment ist.

WDR: Wie war das, als es hieß, Quarantäne für das gesamte Wohnheim?

Mareike Walkling: Es war ein Schock. Wir haben eine Mail dazu bekommen und es war gut, dass ich die zuerst gelesen habe. Denn als ich aus meinem Fenster guckte, sah ich etwa fünf Polizeiwagen vor unserem Wohnheim. Ich wohne im siebten Stock und bekomme nicht immer alles sofort mit. Ohne die Mail hätte ich gedacht: was ist denn jetzt passiert? Die Polizei wollte wohl verhindern, dass noch welche von uns sozusagen flüchten, also vor der Quarantäne. Niemand durfte mehr raus oder rein. Das Haus sperrten sie direkt mit Flatterband und dann auch einem Zaun ab.

Mareike Walkling studiert seit dem Wintersemester 2018 Literatur, Kultur und Medien in Siegen. Sie kommt ursprünglich aus Schliekum, einem kleinen Dorf zwischen Hannover und Hildesheim. Seit Oktober 2018 wohnt sie in dem Wohnheim in Siegen-Weidenau.

WDR: Hattest Du Angst, wie es jetzt weitergeht?

Siegener Studentenwohnheim unter Quarantäne

Ein Flur des Studierendenwohnheims

Walkling: Ja, da waren plötzlich so viele Fragezeichen im Kopf. Aber ich muss die Uni, den AStA und das Studierendenwerk loben, die haben ganz schnell eine Zoom-Konferenz gestartet und uns alle Fragen beantwortet. Die haben erklärt, was wir dürfen und was nicht, wie wir versorgt werden, usw.

WDR: Und wie läuft die Versorgung ab?

Walkling: Wir kriegen morgens, mittags und abends Essen angeliefert. Das wird in den Flur gestellt und ich stelle das Essen dann jedem vor die Tür, weil ich die Flursprecherin auf meiner Etage bin. Wir haben Messenger-Gruppen und jeder, der aufs Klo oder in die Küche geht, sagt da Bescheid. Dann wissen die anderen, es ist besetzt. Das klappt gut! Und dann gibt es ja noch „SoliNa“. Das ist ein Netzwerk, da helfen Studierende anderen Studierenden und da können wir auch sagen, wenn wir noch andere Dinge brauchen, die werden dann für uns eingekauft.

WDR: Alles gut organisiert, aber wie geht es Dir persönlich?

Siegener Studentenwohnheim unter Quarantäne

Das Wohnheim von außen

Walkling: Es geht so. Wir haben ja schon fast ein Jahr lang Kontaktbeschränkungen auch hier im Haus, Maskenpflicht überall, außer in unseren Zimmern. Der Unterschied jetzt ist, dass wir nicht raus können, spazieren gehen oder so. Das ist schlimm. Aber noch trauriger sind meine ausländischen Freunde: Manche hatten gerade einen Flug nach Hause gebucht, um endlich ihre Familien mal wiedersehen zu können. Das geht jetzt wieder nicht.

WDR: Hat man Euch schon gesagt, wie lange die Quarantäne dauern wird?

Walkling: Die Rede ist von wahrscheinlich zwei Wochen. Das kommt jetzt drauf an, wie die Tests von Donnerstag ausgehen. Wir haben noch keine Ergebnisse. Wir hoffen natürlich, dass alle negativ sind. Die, die positiv getestet wurden, sind sozusagen ausgelagert, die sind in einem Hotel. Und wir anderen hoffen, wenn wir uns an die Regeln halten, dass wir vielleicht auch schneller wieder raus dürfen.

Das Interview führte Gaby Rosenkranz.

Stand: 23.04.2021, 11:22