Wenn Corona alles ändert: Leben mit Langzeitfolgen

Corona-Erkrankung mit massiven Langzeitfolgen: Interview mit Betroffenem 04:08 Min. Verfügbar bis 22.01.2022

Wenn Corona alles ändert: Leben mit Langzeitfolgen

Von Katja Brinkhoff

Ein Mann aus Südwestfalen erkrankte im März 2020 an Corona - und leidet noch heute an massiven Langzeitfolgen. Im Interview schildert er seine Geschichte.

Im Frühjahr 2020 infizierte sich Peter M. (Name von der Redaktion geändert) mit dem Coronavirus. Die Folgen waren gravierend: Acht Monate wurde er in verschiedenen Krankenhäusern in Südwestfalen behandelt.

Der 64-Jährige war Skifahrer, Wanderer, Sportler. Er hatte eine Vorerkrankung, litt an einer leichten Immunschwäche. Heute ist seine Lunge so schwer geschädigt, dass er rund um die Uhr an ein Sauerstoffgerät angeschlossen ist. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

WDR: Sie sind im März 2020 an Corona erkrankt. Haben Sie gedacht, das passiert mir doch nicht?

Peter M.: "Im März gehörte ich zu denjenigen, die das alles nicht so ernst genommen haben. Mit dem Wissen von heute, hätte ich mich von den Menschen ferngehalten, von denen ich wusste, dass sie vielleicht positiv sein könnten."

WDR: Sie sind vom Hausarzt direkt mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. An was erinnern Sie sich?

Ein Beatmungsgerät steht in einem Behandlungszimmer im Krankenhaus - Symbolfoto

Monatelang im künstlichen Koma

Peter M.: "Ich hatte Fieber und einen leichten Husten. Dann bin ich ins Krankenhaus gekommen, sofort auf die Station und dann an die künstliche Beatmung. Und dann weiß ich nichts mehr. Als die Ärzte mich nach Monaten aus dem künstlichen Koma geholt haben, habe ich gedacht, das ist jetzt alles nicht so gut."

WDR: Wie geht es Ihnen heute?

Anonymer Mann leidet unter Langzeitfolgen von Corona

Der Betroffene möchte anonym bleiben

Peter M.: "Meine Lunge arbeitet nur noch zu 30 Prozent. Ich brauche rund um die Uhr Sauerstoff. Beim Laufen mache ich kleine Fortschritte. Aber ich bin auf den Rollstuhl angewiesen, weil ich nach wenigen Schritten Luftnot bekomme und keine Kraft habe."

WDR: Was halten Sie von den Menschen, die bis heute behaupten, dass es Corona nicht gibt und dass sämtliche Schutzmaßnahmen unnötig sind?

Peter M.: "Die sind so borniert. Mit denen können Sie nicht diskutieren. Und die glauben das wirklich, was sie daherplappern. Die würden mir noch sagen, ich wäre ein Simulant und würde meine Krankheit nur vortäuschen."

Peter M. (Name geändert) infizierte sich im März 2020 mit dem Coronavirus. Der 64-Jährige war Skifahrer, Wanderer, Sportler. Heute ist seine Lunge so schwer geschädigt, dass er rund um die Uhr an ein Sauerstoffgerät angeschlossen ist.

WDR: Wie gehen Sie damit um, dass Sie durch eine Krankheit aus der Bahn geworfen wurden, die vor einem Jahr noch niemand kannte und die immer noch unberechenbar ist?

Peter M.: "Es gibt Menschen, die sind querschnittsgelähmt. Im Vergleich dazu bin ich besser dran. Also gibt es keinen Grund für Selbstmitleid. Ich schaue nicht zurück sondern nach vorn. So bin ich eben. Aber wenn wir in zwei Jahren nochmal reden und mein Zustand hat sich nicht verbessert, weiß ich nicht, was ich dann denke."

Das Interview führte Katja Brinkhoff.

Stand: 22.01.2021, 11:04