Hohe Inzidenzen in Espelkamp: Sind Impfskeptiker schuld?

Der Stadtkern von Espelkamp mit der Thomaskirche

Hohe Inzidenzen in Espelkamp: Sind Impfskeptiker schuld?

Von Noah Brümmelhorst

Die Stadt Espelkamp hat seit Wochen die höchsten Inzidenzzahlen im Kreis Minden-Lübbecke. Viele sehen die Schuld bei Glaubensgemeinschaften und Aussiedlern. Stimmt das?

Bei der Frage nach der hohen Inzidenz in Espelkamp haben viele Einheimische eine klare Meinung: "Das sind hier christliche Gemeinden, die sehr konservativ sind und sich sehr abgesondert haben", erklärt uns ein Bewohner bei einer Umfrage auf dem Marktplatz. Sie würden sich nicht impfen lassen und auch nicht an die Regeln halten.

Vorurteile gegenüber Freikirchen

Solche Vorurteile hört man hier oft. Für den Freikirchler Jakob Wall ist es deshalb eine schwierige Zeit. Er fühlt sich ungerecht behandelt, man müsse viel mehr differenzieren.

"Es gibt so ein klischeehaftes Denken, dass jemand, der Migrationshintergrund hat, einer Freikirche angehört, im Grunde am öffentlichen Leben nicht teilnimmt, und das kann ich definitiv nicht teilen", sagt er uns.

So offen wie der 55-Jährige sind nicht alle Mitglieder der freikirchlichen Gemeinden. Mehrere von ihnen haben unsere Interviewanfragen nicht angenommen. Insgesamt gibt es in Espelkamp über zehn Freikirchen mit tausenden Mitgliedern.

Diskussionen auch in der Schule

Die angespannte Lage macht sich auch in der Schule bemerkbar, zum Beispiel am Söderblom Gymnasium. Schulleiterin Marie-Luise Schellong hat ständig Diskussionen zu diesem Thema, zum Beispiel mit Eltern, die nicht zum Elternsprechtag kämen, weil sie sich testen lassen müssten.

Viele Meinungen seien vom Elternhaus übernommen und trotz Gesprächen verfestigt. Sie hat bei einigen Schülern und Eltern wenig Hoffnung, diese umzustimmen: "Ich denke nicht, dass es Überzeugung gibt, sondern da bleiben Positionen."

Unternehmen schildern teils geringe Impfquote

Auch das Technologie-Unternehmen Harting findet deutliche Worte. Die Impfquote in einigen Produktionsstätten liege bei unter der Hälfte: "Wir gehen davon aus, dass ein Großteil derer, die nicht geimpft sind, das aus ideologischen Gründen nicht macht", erklärt Personalchef André General.

Bürgermeister Henning Vieker muss sich nun diesen Problemen stellen: "Die, die auffällig werden mit solchen Meinungen, sind Russlanddeutsche". Er warnt aber davor, zu pauschalisieren: Er könne nicht sagen, dass alle Russlanddeutschen solche Meinungen vertreten. Viele von ihnen seien zudem nicht in Freikirchen organisiert.

Mehr Dialog in Espelkamp

In der Bewältigung der Corona-Pandemie würden pauschale Vorurteile auf jeden Fall nicht helfen, um an Menschen in Espelkamp heranzukommen, die skeptisch sind. Da sind sich Bürgermeister Henning Vieker und Gemeindemitglied Jakob Wall sicher. Ein offener Dialog und ein Aufeinanderzugehen seien unablässig.

Stand: 05.12.2021, 11:48