Zahlt Tönnies die Corona-Rechnung?

Die Arbeit im Tönnies-Zerlegebetrieb mit neuem Hygienekonzept

Zahlt Tönnies die Corona-Rechnung?

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies hat allein beim Kreis Gütersloh Kosten von fast 10 Millionen Euro verursacht. Einen Teil davon will sich der Kreis erstatten lassen. Aber offenbar wird der Konzern allenfalls freiwillig zahlen.

Weit mehr als 1.000 Mitarbeiter bei Tönnies und seinen Subunternehmen waren im Sommer mit Corona-Viren infiziert. Im Kreis Gütersloh ließen sich rund 100.000 Bürger testen. Schnell war klar, die Bewältigung der Krise würde Millionen kosten.

Kostenerstattung zugesagt

Unternehmer Clemens Tönnies erklärte damals vor Fernsehkameras: "Wir sind die Ursache dieses Themas, und wir stehen in voller Verantwortung. Ich als Unternehmer und das Unternehmen insgesamt."

Also werde Tönnies auch Schadenersatz für die Bewältigung der Krise leisten, glaubte damals nicht nur Landrat Sven-Georg Adenauer. Doch eine Rechnung an den Unternehmer hat er noch nicht geschickt. In einer Verwaltungsvorlage heißt es nur noch: "Die Prüfung, ob Kosten vorrangig von Dritten zu tragen sind, ist noch nicht abgeschlossen."

Experten skeptisch

Insgesamt geht es um 9,6 Millionen Euro allein beim Kreis Gütersloh. Kosten für Tests, Mehrkosten für Personal und Mindereinnahmen bei Gebühren und Steuern. Und nichts davon wird der Kreis einklagen können, glauben Experten für Schadenersatzrecht wie der Rechtsanwalt Volker Küpperbusch. Aus der globalen Aussage "ja, wir beteiligen uns an den Kosten" könne man sicherlich nicht herleiten, dass Tönnies damit meinte, man werde alles was irgendwie an Kosten entsteht, ungeprüft übernehmen.

Schadensersatz würde Tönnies also allenfalls freiwillig zahlen. Genau darüber will Landrat Adenauer demnächst mit dem Unternehmen sprechen.

Verl hat bereits Rechnung gestellt

Einen Schritt weiter ist die Stadt Verl. Sie hat Rechnungen für Quarantänemaßnahmen direkt an Tönnies schicken lassen. Der Konzern zahlte zumindest einen Teil davon. Offen sind noch circa 100.000 Euro. Bürgermeister Michael Esken sagte dem WDR: "Politisch kann man das bewerten als schuldhaftes Verhalten. Ob es dann auch ein juristisch schuldhaftes Verhalten ist, das haben Gerichte zu prüfen. Meine juristischen Grundkenntnisse an dieser Stelle sagen, es ist relativ schwierig, jeden einzelnen Euro, jeden einzelnen Cent durchzusetzen."

Tönnies sagt Übernahme "weiterer" Kosten zu

Tönnies werde weitere Kosten übernehmen, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag. Unklar ist aber, in welcher Höhe.

Stand: 02.10.2020, 07:25