Münsteraner Corona-Scout sucht Infizierte

Ein Mann vor einem Computer

Münsteraner Corona-Scout sucht Infizierte

Das Robert-Koch-Institut hat im Frühjahr 500 sogenannte Containment-Scouts ausgebildet. Sie ermitteln Kontaktpersonen von Corona-Kranken. Siavosh Olfati aus Münster ist einer von ihnen. Im Interview spricht er über seine Aufgabe.

WDR: Wie sind Sie Containment-Scout geworden?

Siavosh Olfati: Ich war super genervt, dass die Mensa zugemacht hat. Deshalb bin ich auf die Seite vom Studierendenwerk gegangen, um nachzusehen, wann die wieder aufmacht und dann war da diese Anzeige: "Containment-Scouts gesucht".

Ich hab vorher drei Jahre lang als wissenschaftliche Hilfskraft im Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin im UKM gearbeitet und dachte mir: Cool. Das Semester sieht eh nicht so super aus und das passt relativ gut zu der Tätigkeit, die ich momentan mache, und die ich auch später machen will. So war die Idee, auf diesem Weg direkt ein bisschen Feld-Erfahrung zu sammeln.

WDR: Was sind die Herausforderungen der Arbeit als Containment-Scout?

Olfati: Die größte Herausforderung ist tatsächlich so ein bisschen die Balance zwischen: 'Wie garantieren wir tatsächlich die Sicherheit der Leute?' und 'Wie kriegen wir es aber trotzdem hin, dass das soziale Leben wieder halbwegs stattfinden kann?'. Dadurch, dass wir über Telefon Kontakt mit den Leuten haben, ist die Distanz dann doch relativ groß.

Aber natürlich gehen mir auch Sachen nah. Man hört Geschichten von Leuten, die sehr stark in ihrem Leben eingeschränkt sind - sei es durch die grundsätzlichen Maßnahmen, die durch Corona bestehen, oder auch durch die Quarantänen. Das ist zum Teil schon sehr tragisch. Gerade wenn man weiß: Die Strukturen, die jetzt geschaffen wurden, sind sehr ad hoc und es fallen immer wieder Leute durchs Raster.

Siavosh Olfati ist Pharmazie-Student aus Münster. Er hat außerdem als Hilfskraft am Institut für Epidemiologie gearbeitet. Jetzt unterstützt er sechs Monate lang das Gesundheitsamt in Münster dabei, Kontaktpersonen von Corona-Infizierten schneller und effektiver nachzuverfolgen.

WDR: Über welche Fähigkeiten muss ein Scout verfügen?

Olfati: Im Grunde muss man kommunikationsfähig sein, die deutsche Sprache beherrschen und ein bisschen mit PCs und Bürokratie umgehen. Die Feinheiten sind aber, dass man in der Lage sein muss, soziale Nuancen zu erkennen, eine gute Ebene zu den Leuten aufzubauen, zu denen man diesen Kontakt hat und natürlich auch alle diese verschiedenen Felder gleichzeitig gemanagt zu bekommen. Das ist eigentlich die größte Schwierigkeit. Sowohl sich im bürokratischen Ablauf zurechtzufinden, als auch sich mit Gesetzestexten herumzuschlagen, Hygienekonzepte zu bearbeiten, direkten Kontakt zu Leuten zu haben und dazu noch eine menschliche Komponente reinzuholen. Das klingt zwar intuitiv nicht so schwierig, ist aber leichter gesagt als getan.

WDR: Wie nehmen Sie die Reaktionen aus der Gesellschaft in Bezug auf die Arbeit als Scout wahr?

Olfati: Das Problem mit Prävention ist immer: Man ist dann erfolgreich, wenn nichts passiert. Deshalb kann ich verstehen, wenn es auf den ersten Blick so scheint, als würde eh nichts passieren und die Frage aufkommt, warum wir trotzdem noch unsere Tätigkeit als Scout ausüben müssen. Aber letztendlich ist es doch so: Je ruhiger es bleibt, desto erfolgreicher sind wir. Und ich hoffe, dass die Leute das verstehen.

Das Interview führte Louisa Melzow

Stand: 27.07.2020, 14:39