Interview: Spiel-Süchtiger aus Olpe

Mike Warnecke spielt an der Spielkonsole

Interview: Spiel-Süchtiger aus Olpe

Von Katja Brinkhoff

Der 27-jährige Mike Warnecke war viele Jahre computerspielsüchtig. Jetzt gründet er im Kreis Olpe die erste Selbsthilfegruppe für Computerspiel- und Internetsucht.

WDR: "Kann ich eine Computerspielsucht mit einer Alkohol- oder Nikotinabhängigkeit vergleichen?"

Mike Warnecke: "Das Computerspielen ist eher so, man spürt nicht wirklich etwas. Das ist eher sowas Psychisches. Dass man immer daran denkt. Es ruft so Glücksgefühle hervor. Im Computer da hat man Erfolge, weil man im echten Leben keine Erfolge hat."

WDR: "Wann haben Sie angefangen zu spielen?"

Warnecke: "Mit 14 Jahren habe ich meinen ersten PC bekommen. Mit 16 Jahren habe ich an nichts anderes mehr gedacht. Dann bin ich aus der Schule gekommen und habe mich sofort an den PC gesetzt. Immer nur gespielt. In Spitzenzeiten 16 bis 20 Stunden am Tag."

WDR: "Hat Ihre Familie das zugelassen?"

Warnecke: "Natürlich nicht. Irgendwann bin ich ausgezogen, weil ich selbst bestimmen wollte, wann ich spielen will. Und dann hat mich nichts mehr davon abgehalten."

WDR: "Es gab kein Halten mehr?"

Warnecke: "Ich bin nicht zur Arbeit gegangen. Ich habe nicht mehr gegessen, nicht mehr getrunken. Ich habe von Zigaretten gelebt und einem Energydrink pro Tag. Die Sucht hat mich körperlich ausgelaugt. Ich bin erschöpft ins Bett gefallen, habe für zwei Stunden geschlafen, um dann wieder spielen zu können."

WDR: "Wann kam der Wendepunkt?"

Mike Warnecke

Mike Warnecke war lange Jahre spielsüchtig. Jetzt hat er sich Hilfe gesucht.

Warnecke: „Der kam auf einem Spaziergang. Ich habe meine Mutter oft besucht. Damit ich wenigstens einen Menschen noch sehe. Auf dem Rückweg nach Hause, hat es plötzlich „Klick“ gemacht. Ich habe gesehen, dass es so nicht mehr weitergeht. Über Notruf habe ich mitten im Wald die Telefonseelsorge angerufen. Die haben gesagt „Geh ins Krankenhaus.“ Das habe ich dann gemacht – in die Psychiatrie nach Olpe.“

WDR: "Wie ging es weiter?"

Warnecke: "Schließlich bin ich einer Klinik in Gütersloh gelandet. Da habe ich dann wieder Struktur gelernt. Aufstehen, essen, zur Schule oder zur Arbeit gehen. Und ich habe geredet, um zu erkunden, in welche Richtung gehe ich. Es hat geklappt."

WDR: "Wie sieht es heute aus?"

Warnecke: "Von einer Sucht ist man nie geheilt. Ich muss auf mich aufpassen, bekomme aber auch da Unterstützung von meiner Freundin. Ich habe gelernt, dass Computer ein Hobby sein kann."


Das Interview führte Katja Brinkhoff.

Stand: 13.01.2021, 15:39