Neuer Chefdirigent für Philharmonie Südwestfalen

Nabil Shehata

Neuer Chefdirigent für Philharmonie Südwestfalen

Der neue Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen, Nabil Shehata, hat am Sonntag (01.09.2019) sein Amt angetreten. Er hat für die nächsten fünf Jahre ein klares Ziel.

Shehata will, dass die Philharmonie Südwestfalen auch in Dresden, München oder Berlin eine bekannte Größe wird. Niemand soll mehr fragen: "Südwestfalen? Wo ist das denn?"

Seinen Zweitwohnsitz hat Nabil Shehata bereits in Siegen. Der 39-jährige Deutsch-Ägypter freut sich, dass er die südwestfälische Philharmonie dirigieren darf. Ihm gefällt die Mentalität der Musiker. Shehata hat sich gegen 200 Mitbewerber durchgesetzt, am 20. September gibt er sein Antrittskonzert. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

WDR: Herr Shehata, Sie waren acht Jahre Chefdirigent an der Kammeroper München. Warum haben Sie sich für die Philharmonie Südwestfalen beworben?

Nabil Shehata

Reisen gehört zu Shehatas Beruf

Nabil Shehata: "Ich hatte die Philharmonie als Gastdirigent bereits geleitet, bevor ich mich beworben habe. Es ist eine gute Stimmung unter den Musikern und man redet und diskutiert miteinander. Da gibt es keine Gleichgültigkeit.Also da wird wirklich kommuniziert zwischen den Musikern. Ich habe das Gefühl, da hat jeder Lust, an den Stücken zu arbeiten, es besser zu machen und auch weiter zu kommen mit dem Orchester."

WDR: Sie sind ein Vollblutmusiker. Mit sechs Jahren haben Sie angefangen, Klavier zu spielen, mit neuem Kontrabass. Ist das nicht ein viel zu großes Instrument für einen kleinen Jungen?

Shehata: "Als Kind hat man noch nicht den Überblick, wie ein Instrument das Leben beeinflusst. Ich hatte mir das mit dem Transport einfacher vorgestellt. Aber es ist doch anstrengend, mit dem Kontrabass zu reisen.Trotzdem: Ich habe es nie bereut. Es ist ein tolles Instrument."

WDR: Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Nabil Shehata

Nabil Shehata

Shehata: "Meine Mutter ist Flötistin und sie war Musiklehrerin an einer Schule. Wir vier Kinder mussten alle ein Instrument lernen. Also Klavier und ein extra Instrument. Mein Bruder hat Klavier und Geige gelernt, meine Schwester Bratsche und Klavier und mein großer Bruder Saxophon und Klavier."

Nabil Shehata wurde 1980 als Sohn einer deutschen Mutter und eines ägyptischen Vaters in Kuwait geboren. Er studierte Musik, besuchte Meisterkurse für Dirigenten und war die vergangenen acht Jahre Chefdirigent an der Münchner Kammeroper. Als Solokontrabassist spielte er an der Staatsoper "Unter den Linden" und bei den Berliner Philharmonikern. Er hat zahlreiche Wettbewerbe gewonnen - unter anderem den Publikumspreis des ARD Musik-Wettbewerbs.

WDR: Welche Stücke wollen Sie mit der Philharmonie Südwestfalen in der kommenden Spielzeit vorführen?

Shehata: "Mozart werden wir spielen. Wenn man hört, wie die Mozart spielen, sieht man immer sofort, wo ein Orchester steht. Dann haben wir natürlich Beethoven drin. Wir haben ein bunt gemischtes Programm. Wir versuchen eine interessante Spielzeit zu gestalten, mit bekannten, aber auch mit unbekannten Werken und mit tollen Solisten. Ich versuche gute Solisten nach Siegen zu holen, die auch das Orchester animieren."

WDR: Ihr Vertrag bei der Philharmonie Südwestfalen läuft jetzt erst einmal fünf Jahre. Was wollen Sie in dieser Zeit erreichen?

Shehata: "In fünf Jahren möchte ich das Gefühl haben, ich kann jetzt wirklich mit dem Orchester alles spielen. Dann möchte ich, dass der Name 'Philharmonie Südwestfalen' deutschlandweit bekannter wird. Der Name beinhaltet keine Stadt. Bei den Berliner Philharmonikern weiß man, das ist in Berlin. Bei der Staatsoper Dresden weiß man, das ist in Dresden. Bei der Philharmonie Südwestfalen weiß fast keiner im weiteren Umkreis, woher die kommt. Und das möchte ich ändern. Sodass die Leute in fünf Jahren sagen: 'Aha, Philharmonie Südwestfalen. Die kennen wir!'"

Das Interview führte Heike Braun.

Stand: 01.09.2019, 08:00