Kampfabstimmung Merz - Sensburg: CDU will Leserbriefe verhindern

Friedrich Merz, 25.02.2020

Kampfabstimmung Merz - Sensburg: CDU will Leserbriefe verhindern

Friedrich Merz tritt in einer Kampfabstimmung gegen den bisherigen Bundestagsabgeordneten im Sauerland an. Der CDU-Kreischef hat jetzt gefordert, die Zeitungen sollten darüber keine Leserbriefe mehr veröffentlichen.

Der Chef der CDU im Hochsauerlandkreis, Matthias Kerkhoff, hat Redaktionen der Westfalenpost gebeten, keine Leserbriefe zur Kampfabstimmung zwischen Friedrich Merz und Patrick Sensburg mehr zu veröffentlichen.

Portrait Matthias Kerkhoff

Matthias Kerkhoff

"Es handelt sich um ein innerparteiliches Verfahren und mein Wunsch ist, dass die Mitglieder und Delegierten der CDU sich unvoreingenommen ein Bild von den Bewerbern machen können und anschließend entscheiden", so Kerkhoff in dem Schreiben, das dem WDR vorliegt. "In der jetzigen Phase bitte ich zu respektieren, dass es sich um eine innere Angelegenheit der CDU HSK handelt, die selbstverständlich redaktionell begleitet werden kann.", heißt es weiter.

DJV: "Seltsames Verständnis von Pressefreiheit"

Hintergrund ist die Aufstellungsversammlung der HSK-CDU am 17. April. Dort sollen 480 Delegierte darüber entscheiden, ob der amtierende Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg oder Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz als Kandidat bei der Bundestagswahl ins Rennen geschickt wird.

Merz hatte Anfang des Monats seine Kandidatur überraschend bekannt gegeben. Sensburg wiederum hält an seiner Kandidatur fest. Es kommt zur Kampfabstimmung im Sauerland.Frank Überall, der Vorsitzende des DJV, ist über Kerkhoffs Brief verwundert: "Herr Kerkhoff zeigt ein seltsames Verständnis von Pressefreiheit. Natürlich wird öffentlich diskutiert, wer der CDU- Kandidat wird. Offenbar gibt es hier ein Missverständnis über die Rolle von Journalisten in der Gesellschaft", sagte er dem WDR.

Kerkhoff: "Würde das nicht noch mal machen."

Matthias Kerkhoff selbst bedauerte seinen Brief am Freitagabend gegenüber dem WDR: "Es ging mir darum, einen fairen parteiinternen Wahlkampf zu ermöglichen. Selbstverständlich wollte ich mit der Bitte nicht die Pressefreiheit unterwandern." Er würde dieses Schreiben nicht noch einmal verschicken, "auch wenn ich dabei keine unlauteren Motive hatte". Mit den Kandidaten sei das nicht abgesprochen gewesen. Nur er selbst habe von dem Schreiben gewusst. Weder Merz noch Sensburg wollten den Brief auf WDR-Anfrage kommentieren.

Westfalenpost: entspricht nicht unserem Leitbild

Die Redaktion der "Westfalenpost" betonte, dass man auch weiterhin Leserbriefe abdrucken werde, "nachdem diese der üblichen Prüfung unterzogen wurden". Ebenso wie die redaktionelle Berichterstattung seien Leserbriefe Teil der Meinungsbildung. "Dass im Vorfeld - auch von innerparteilichen - Kampfkandidaturen oder Kampfabstimmungen Medien Meinungsäußerungen zurückhalten, entspricht nicht unserem journalistischen Leitbild."

"Typisch Merz" – Kampf ums Bundestagsmandat

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 03.03.2021 02:41 Min. Verfügbar bis 03.03.2022 WDR 5 Von Sabine Henkel


Download

Stand: 19.03.2021, 20:27