Rapper Bushido gewinnt Prozess vor OVG Münster

Rapper Bushido gewinnt Prozess vor OVG Münster

  • Album "Sonny Black" nicht jugendgefährdend
  • Richter kassieren Entscheidung der Vorinstanz
  • Bundesprüfstelle sah Gewaltverherrlichung

Das Album "Sonny Black" des Rappers Bushido ist zu Unrecht als jugendgefährdend eingestuft worden. Das hat am Mittwoch (16.05.2018) das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien habe nicht sorgfältig genug zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit abgewogen, meinten die Richter.

Mit ihrer Entscheidung kippten sie das Urteil der Vorinstanz. Die Revision wurde zugelassen. Wenn das Urteil rechtskräftig wird, dürfte das Album wieder an Minderjährige verkauft werden. Die Bundesprüfstelle in Bonn hatte das Werk als jugendgefährdend eingestuft. In den Texten würden Gewalt verherrlicht sowie Frauen und Homosexuelle diskriminiert.

"Bewusste Überzeichnung"

Rapper Bushido auf einer Open-Air-Bühne

Die Anwälte des Rappers hielten dem entgegen, Jugendliche seien heutzutage wirklichkeitsnäheren Darstellungen von Gewalt und Sex ausgesetzt, als in den bewusst überzeichneten Gangster-Rap-Bildern. Das Genre könne auch eine identitätsstiftende Wirkung haben und jungen Hörern Halt geben.

Praktische Auswirkung gering

Die praktischen Auswirkungen der Indizierung waren ohnehin eher gering. Die Zielgruppe konnte das Album ungehindert aus dem Internet bei Musikanbietern außerhalb Deutschlands herunterladen, die nicht durch die Indizierung betroffen sind.

Brancheninsider schätzen, dass durch die Indizierung und den Rechtsstreit die Verkaufszahlen sogar einen kräftigen Schub erhalten.

Stand: 16.05.2018, 07:52