Burnout: Wenn der Arztberuf krank macht

Gestresster Arzt

Burnout: Wenn der Arztberuf krank macht

  • Burnout unter Ärzten weit verbreitet
  • Klinikpersonal stark gefährdet
  • Ärztetag diskutiert das Problem

Beim Ärztetag in Münster diskutieren Mediziner seit Dienstag (28.05.2019) auch über ihre eigene Gesundheit. Burnout ist in Heilberufen weit verbreitet. Grund sei oft Stress und Überlastung, sagt Christiane Groß. Die Psychotherapeutin ist Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbunds und gehört dem Vorstand der Ärztekammer Nordrhein an.

WDR: Frau Groß, sind Ärzte wirklich gefährdeter, an Burnout zu erkranken, als andere Berufsgruppen?

Christiane Groß: Es sind auf jeden Fall sehr viele, die im Lauf ihres Berufslebens daran erkranken. Und im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind Heilberufler offenbar häufiger betroffen. Und es werden immer mehr.

WDR: Was bedeutet das für die Patienten? Muss man sich Sorgen machen? Sind erkrankte Ärzte ihrer Aufgabe noch gewachsen?

Groß: Eine akute Gefahr für Patienten sehe ich in aller Regel nicht. Meistens bemerken sie nichts an ihrem Arzt, vielleicht eine leichte Konzentrationsschwäche. Wenn Ärzte durch die Krankheit schon stark eingeschränkt sind, dann werden sie gewöhnlich keine risikoreichen Eingriffe mehr vornehmen.

Was hilft auf Dauer gegen den Stress? Planet Wissen 06.06.2019 06:29 Min. Verfügbar bis 06.06.2024 WDR Von Oliver Wittkowski

WDR: Über welche Symptome reden wir überhaupt? Oder ist Burnout ein schlichter Sammelbegriff, wenn keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann?

Groß: Nein, es gibt zwar viele, aber auch gut erkennbare Symptome: Die reichen von Erschöpfung über chronische Müdigkeit bis hin zu schweren Depressionen. Hinzu kommen soziale Zurückgezogenheit, Entwertungsgefühle sowie verschiedene körperliche Leiden.

WDR: Meistens wird die Krankheit mit unmöglichen Arbeitsbedingungen in Kliniken in Verbindung gebracht.

Portrait Frau Dr. Groß

Christiane Groß

Groß: Das Problem ist aber nicht auf Kliniken beschränkt. Es hat etwas mit der herrschenden Arbeitskultur zu tun, der Arbeitsverdichtung, mangelnder Anerkennung. Das kann an so gut wie jedem Arbeitsplatz auftreten. Angesichts des Personalmangels und der hohen Zahl an Patienten, die betreut werden müssen, sind Klinikärzte aber besonders gefährdet.

WDR: Ist das so einfach? Kann die Krankheit durch bessere Arbeitsbedingungen besiegt werden?

Groß: Vielleicht nicht besiegt. Aber die Häufigkeit könnte man sicher deutlich senken.

WDR: In vielen Unternehmen kommt eine Krankschreibung wegen Burnout bei Kollegen und Vorgesetzten eher nicht gut an.

Groß: Das ist ein Phänomen, das allgemein auf psychische Erkrankungen zutrifft. Diskriminierung ist ein Problem, gegen das wir dringend angehen müssen.

WDR: Welche Hilfen für Betroffene gibt es?

Groß: Bei der Ärztekammer Nordrhein haben wir schon seit Jahren eine Burnout-Hotline eingerichtet. Und es gibt spezielle psychotherapeutische Angebote, die auch kurzfristig zur Verfügung stehen. Gewöhnlich ist ein Wechsel des Arbeitsplatzes nicht notwendig, wenn die belastenden Faktoren identifiziert sind. Dann kann man gezielt daran arbeiten.

Das Interview führte Andreas Poulakos.

Stand: 28.05.2019, 12:13