Burbach-Skandal: Bewährungsstrafe für Ex-Heimleiter

Ex-Heimleiter Ricardo S. mit seinem Anwalt

Burbach-Skandal: Bewährungsstrafe für Ex-Heimleiter

  • Urteil: ein Jahr und drei Monate auf Bewährung
  • Freiheitsberaubung in 33 Fällen
  • Flüchtlinge in "Problemzimmer" eingesperrt
  • Milde Strafe wegen Geständnis

Das Landgericht Siegen hat den Ex-Heimleiter der Flüchtlingsunterkunft in Burbach am Dienstag (22.01.2019) zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Sie befanden ihn der Freiheitsberaubung in 33 Fällen schuldig.

Das milde Urteil begründeten die Richter unter anderem damit, dass der heute 38-jährige Angeklagte sehr ausführlich gestanden hat. Er habe von den sogenannten Problemzimmern in der Unterkunft gewusst und auch selbst Flüchtlinge dort eingesperrt.

Urteil gegen Ex-Heimleiter aus Burbach

WDR 2 22.01.2019 00:24 Min. Verfügbar bis 22.01.2020 WDR 2

Rückblick: November 2013, die Flüchtlingsunterkunft in Burbach ist vollkommen überbelegt. Statt der geplanten 600 Flüchtlinge leben mehr als 800 dort. Immer öfter kommt es zu Auseinandersetzungen unter den Bewohnern. Die Polizei muss regelmäßig ausrücken, um Flüchtlinge abzuholen. Der Ruf der Unterkunft ist katastrophal.

Versicherungskaufmann wird Heimleiter

WDR-Kameramann vor den "Problemzimmern" in Burbach

2018 vor dem ehemaligen "Problemzimmer"

Ricardo S. ist damals als Heimleiter in Burbach im Einsatz. Obwohl er als gelernter Versicherungskaufmann dafür nicht qualifiziert ist. Er will die Einrichtung aus den Negativschlagzeilen holen.

Deshalb stimmt er der Idee eines Mitarbeiters zu, Flüchtlinge selbst vor Ort "einzusperren", die straffällig geworden sind. So erklärt er es später vor Gericht. Die Idee dahinter: Die Polizei muss nicht mehr verständigt werden, niemand erfährt von den Tumulten vor Ort.

Schon damals machen sich der Heimleiter, die Wachleute und die Sozialbetreuer der Freiheitsberaubung strafbar. Denn für Verhaftungen ist in Deutschland die Polizei zuständig und nicht ein privater Wachdienst.

Freiheitsberaubung wegen einer Zigarette

Im Frühjahr 2014 gerät die Sache mit den "Problemzimmern" völlig außer Kontrolle. Es werden Flüchtlinge eingesperrt, die auf ihrem Zimmer geraucht haben oder auch nur mit jemandem das Zimmer teilen, der dort geraucht hat.

Die Wachleute gehen auch dazu über, Flüchtlinge für Dinge einzusperren, die außerhalb der Einrichtung passiert sind. Als "erzieherische Maßnahme". Alles das notieren sie im "Wachbuch", das Ricardo S. täglich vorgelegt wird.

Der Angeklagte hätte das alles als Heimleiter mit einem einzigen Wort beenden können. So sagte es der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer. Doch er tat nichts. Schlimmer noch, er ordnete persönlich an, dass einzelne Flüchtlinge länger eingesperrt blieben.

Der Angeklagte und sein Anwalt Lars Leininger warten im Landgericht auf den Beginn ihres Prozesses.

Ricardo S. und sein Anwalt im Gerichtssaal

Als die Fotos und Videos von den Misshandlungen im September 2014 der Presse zugespielt werden, beteuert Ricardo S. noch, er habe von alldem nichts gewusst. Kurz darauf ist er aber bereit, alles zu gestehen. Als erster der Beteiligten überhaupt.

22.01.2019: Urteil im Burbach-Prozess für den Heimleiter 01:46 Min. Verfügbar bis 22.01.2020

Stand: 22.01.2019, 15:12