Flüchtlingsskandal Burbach weitet sich aus

Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma schließt ein Tor zum Flüchtlingsheim der ehemaligen Siegerland-Kaserne in Burbach

Flüchtlingsskandal Burbach weitet sich aus

Von Fritz Sprengart

  • Email-Verkehr belastet European Homecare
  • Linke fordern Stopp der Zusammenarbeit
  • Land sieht keinen Handlungsbedarf

Der ehemalige Betreiber der Flüchtlingsunterkunft in Burbach, European Homecare (EHC), soll frühzeitig gewusst haben, dass es dort ein so genanntes „Problemzimmer“ gab. Dort sollen Wachleute und Sozialbetreuer Flüchtlinge eingesperrt und misshandelt haben. Interne Dokumente lassen vermuten, dass EHC das Einsperren von Flüchtlingen damals beendet, aber keine Anzeige erstattet hat.

Informationsaustausch zwischen Leitung und Zentrale

Undatierte Handout der Polizei: Zwei Sicherheitsleute, die in der ehemaligen Siegerland-Kaserne in Burbach einen am Boden liegenden Flüchtling misshandeln

Misshandlung eines Flüchtlings im "Problemzimmer"

Flüchtlinge "wurden ins Problemzimmer verlegt" heißt es in einer Email. Oder: "Problemzimmer ist recht voll". So tauschen sich der damalige Einrichtungsleiter in Burbach und Mitarbeiter der EHC-Zentrale laut Ermittlungsakte über den Raum aus, in dem Flüchtlinge 2014 eingesperrt wurden.

Der Wochenzeitung Siegerlandkurier und dem WDR wurde die Ermittlungsakte zum Misshandlungsskandal von Burbach zugespielt. Darin: mehr als ein Dutzend solcher Mails.

Die Ermittler ziehen laut Akte folgendes Fazit. "Das Problemzimmer war für EHC Essen offensichtlich ein feststehender Begriff für "Problempersonen" und man war offensichtlich damit einverstanden, dass die Hausordnung der EHC mit solchen Maßnahmen wie der Unterbringung in das Problemzimmer durchgesetzt wurde."

Flüchtlingsheim Burbach: Wusste Betreiber von "Problemzimmer"?

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.06.2019 04:59 Min. Verfügbar bis 03.06.2020 WDR 5

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Anwaltsschreiben wirft Fragen auf

In den Emails von EHC steht nicht explizit, dass jemand eingesperrt wird. Aber es gibt ein Anwaltsschreiben: "In der Einrichtung hat sich meine Mandantin „das sog. "Problemzimmer" zeigen lassen und festgestellt, dass sich an den Türen keine Klinken befanden", schreibt der Anwalt einer EHC Mitarbeiterin.

Am 13. August 2014, noch vor dem Bekanntwerden der Fälle, soll das gewesen sein. Seine Mandantin, schreibt der Anwalt, habe darauf hingewiesen, dass so etwas "verboten sei" und dass ab sofort keine Flüchtlinge mehr "eingeschlossen werden".  

Mangelnde Aufklärung? – Die Linke fordert Konsequenzen

Wenn das stimmt, dann hat EHC das Einsperren von Flüchtlingen in Burbach selbst beendet. Allerdings hat EHC die Fälle nicht angezeigt, nicht der Bezirksregierung gemeldet und die Verantwortlichen vor Ort nicht entlassen. European Homecare teilt uns über ein Anwaltsbüro mit, dass sie sich dazu wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern werden.

Siegerlandkaserne Burbach

Die ehemalige Flüchtlingsunterkunft in Burbach

"Eine Firma, die sich so verhält, sollte in der Unterbringung von Geflüchteten keine große Rolle mehr spielen", erklärt der Landessprecher der Linken in NRW, Christian Leye.

Landesregierung sieht keinen Handlungsbedarf

Das sieht das Landesministerium für Familie, Geflüchtete und Migration offenbar anders. "Dem Land sind bislang weder zwingende noch fakultative Ausschlussgründe bekannt, die einen Ausschluss von EHC aus zukünftigen Vergabeverfahren rechtfertigen würden", heißt es in einer Stellungnahme.

Stand: 04.06.2019, 07:05