Burbach-Prozess: Die Chats der Wachleute

Die Chats der Wachleute 04:02 Min. Verfügbar bis 27.02.2020

Burbach-Prozess: Die Chats der Wachleute

Von Fritz Sprengart

  • Rassistische und gewaltverherrlichende Einträge
  • Flüchtlingsrat: Erschreckend und menschenverachtend
  • Wichtiges Beweismittel für die Staatsanwaltschaft

Mehr als sechs Monate lang sollen Wachleute in Burbach Flüchtlinge gequält haben, bevor der Skandal öffentlich wurde. Teil der Beweismittel sind die Protokolle von ihren WhatsApp-Chats. Als Abschriften der Polizei stehen sie in der Ermittlungsakte, die dem WDR zugespielt wurde.

Ein Beispiel: "Habe ein Messer abbekommen". "Marokkaner oder wer war das?" "Hast Du ihn wenigstens totgeschlagen?"

Fotos der Eingesperrten gepostet

Viele der WhatsApp-Einträge sind rassistisch und gewaltverherrlichend: "Bei 40 marokkanern hilft nur eins auf die wassermelonenköpfe im milisekundentakt bis sie alle mit Kopfschmerzen auf dem Boden liegend nach Aspirin jammern".

Die Wachleute teilten in den Chats monatelang auch Fotos von Flüchtlingen, die eingesperrt waren. "Ich bin schon erschrocken, wie Menschen sich über Menschen äußern, für deren Sicherheit sie zuständig sind", sagt dazu Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat NRW. Das seien schon "teilweise wirklich menschenverachtende Kommentare".

"Stimmt schon alles"

WDR-Kameramann vor den "Problemzimmern" in Burbach

Vor den "Problemzimmern", in denen Flüchtlinge eingesperrt wurden

Offenbar finden viele Wachleute ihre Gewalt völlig in Ordnung, auch dann noch, als Aktuellen Stunde und Tagesschau im September 2014 darüber berichten: "Übertrieben oder wirklich so krass?" "Stimmt schon alles. Wird aber übertrieben dargestellt". "Presse halt. Es haben immer die aufs Maul bekommen, die es auch verdient hatten".

Für die Staatsanwaltschaft Siegen sind die Chatprotokolle Beweismittel. Sie zeigen deutlich, wer von der Gewalt wusste. Die Chats werden für einige Wachleute also wahrscheinlich zu Verurteilungen führen.

Stand: 27.02.2019, 09:54

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Lars B. 27.02.2019, 17:29 Uhr

    #1: Herr Stübner, Sie vermischen, um zu relativieren. Misthaufen ist Misthaufen. Weil einer stinkt, ist der andere nicht minder eklig. Die „Wachleute „ gehören bestraft.

  • 1 Peter Stübner 27.02.2019, 15:36 Uhr

    Der Messerangriff im Beispiel oben war weniger schockierend? Ist der wenigstens in der Statistik? Wie viel verdienen die Leute, die täglich ihr Leben riskieren mit den "geschenkten Menschen"?

    Antworten (3)
    • Anonym 27.02.2019, 17:14 Uhr

      Und weil jemand nicht angemessen bezahlt wird darf er sich über Regeln, Gesetze und Menschenrechte hinwegsetzen? Noch dazu gegenüber denen, die auf die Bezahlung keinerlei Einfluss haben?

    • EUROPASTOLZ 27.02.2019, 17:18 Uhr

      Ach Herr Stüber, Sie meinen also, wenn ich Sie richtig verstehe, dass derjenige, der wenig für seine Arbeit bekommt, dann wenigstens seinen Spaß beim Quälen und Erniedrigen der ihm anvertrauten -wie Sie so schön süffisant herabwürdigend formulieren"geschenkten" -Menschen haben sollte? Wie kommen Sie nur auf solche abwegigen Gedanken? Sie billigen offenbar die angeklagten Verhaltensweisen. Das lässt tief, sehr tief blicken! Ich hoffe, dass Sie niemals in einem Bereich tätig sind, der mit Menschen zu tun hat. Nein, ich verharmlose nicht die Taten der teils ebenfalls menschenverachtend handelnden geflohenen Menschen. Deren Taten müssen ebenfalls, mit gleichen Maß juristisch aufgearbeitet werden. Deren Verhalten ist doch aber kein Freibrief für die Menschen, die die Aufgabe haben, für die Sicherheit in den Aufnahmeeinrichtungen zu sorgen.

    • Peter Stübner 28.02.2019, 12:00 Uhr

      @EUROPASTOLZ, die „herabwürdigende Formulierung“ stammt von Katrin Göring-Eckart. Auf der EKD-Synode in Bremen am 8. November 2015 sagte sie: "Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt" (kann man bei Wikiqoute nachlesen). Mir ging es in erster Linie um die erschreckende Normalität, mit der Justiz und Medien in diesem Beispiel über einen Messerangriff hinweg gehen, scheinbar die Situation gar nicht erfassen. Ein ausgebildeter Polizist hätte den Angreifer tatsächlich getötet; bei einem Messerangriff aus unmittelbarer Nähe kann man nicht mehr auf die Beine zielen und der Wachmann wurde offensichtlich auch verletzt. Die Wachleute sind (vermutlich) schlecht bezahlt und schlecht ausgebildet und dann sind in solchen Situation Eskalationen vorprogrammiert. Das kann auch gut sein, dass sie auch charakterlich nicht geeignet sind; das ist bei privaten Sicherheitsdiensten ja nicht selten. Die Medienberichte sehen allerdings wie leider üblich gewordene, völlig einseitige Vorverurteilung aus.