Einige Menschen aus Lemgo wünschen sich, dass diese Tankstelle unter Denkmalschutz gestellt wird.

Abrissreif? Der Kampf um eine Lemgoer Retro-Tankstelle

Stand: 31.01.2022, 20:14 Uhr

Eine kleine Tankstelle aus den 1950er Jahren sorgt derzeit für großen Unmut in Lemgo. Während die Einheimischen sie erhalten wollen und für denkmalwürdig erachten, befürworten die Behörden einen Abriss.

Von Thomas Wöstmann

Eine alte BP-Tankstelle in Lemgo dürfte zum Unmut vieler Lemgoer nicht mehr zu retten sein. Nach dem neuesten Gutachten eines Statikers ist das Schutzdach mit der berühmten Schwingenform nicht mehr standsicher und müsste deshalb abgerissen werden. Die Lokalpolitiker im städtischen Ausschuss wollten am Montagabend trotzdem noch nicht endgültig entscheiden. Zunächst soll es Gespräche mit dem künftigen Betreiber des benachbarten Campingplatzes geben – auf dessen Gelände steht die alte Tankstelle aus dem Jahr 1956.

Noch keine Entscheidung gefallen

„Mit dem nächsten größeren Schnee könnte das Dach zusammenbrechen. So etwas zu sanieren, ist sehr schwer“, so der Gutachter. Dieses Urteil war ernüchternd für die vielen Zuhörer im Ratssaal, die dafür kämpfen, dass die Tankstelle erhalten bleibt. Für sie bleibt jedoch ein kleiner Funken Hoffnung, denn eine Entscheidung über den Abriss gab es noch nicht. Für das daneben liegende Campingplatz-Gelände wird derzeit ein neuer Pächter gesucht – und der soll dann letztlich über das Tankstellendach entscheiden. Ein Vertreter des Vereins Alt Lemgo plädierte: „Lassen Sie uns noch etwas Zeit gewinnen und schauen, ob es nicht doch noch Möglichkeiten gibt, das Dach zu erhalten.“

Die Chance, dass aus der Tankstelle ein Denkmal wird, ist klein. „An den Gebäuden wurde über die Jahrzehnte zu viel herumgebaut“, sagte ein Sprecher des städtischen Bauamts.

Wechselvolle Geschichte

Vor fast 65 Jahren wurde die Tankstelle vom Mineralöl-Konzern BP gebaut, so wie Tausende andere in Deutschland. Unter dem damals zeittypischen Betondach, das wie Vogelschwingen aussieht und die Autofahrer jahrzehntelang wenigstens etwas vor Regen und Schnee schützte, gab es zwei Tanksäulen.

1982 folgte ein Umbau. Tankwillige Autofahrer mussten nun selbst zapfen. Nur zwei Jahre später schon war die Geschichte dieser Tankstelle vorüber. Zur Jahrestausendwende nutzte sie ein Autopflegedienst, 2008 schließlich zog eine Spielwerkstatt für Kinder ein.

Retro-Charme voller Patina

Für Außenstehende ist der Charme der Nachkriegs-Tankstelle längst verschwunden. Noch lässt er sich jedoch erahnen: Etwa anhand des speziellen Schwingendachs, der Gebäudekonstruktion mit den hohen Fensterfronten, der mehrteiligen Falttore zu den ehemaligen Wagenhallen und schließlich anhand des originalen BP-Mastes an der Einfahrt: all das versetzt Nostalgiker zurück in die Fünfziger und Sechziger Jahre der Bundesrepublik.

Für viele Lemgoerinnen und Lemgoer ein Schmuckstück

Das sehen auch einige Lemgoerinnen und Lemgoer so. Obwohl das Gelände eher heruntergekommen ist, sehen sie darin ein Schmuckstück, das nur aufgehübscht werden müsste; ein Denkmal, langfristig vielleicht sogar eine Art Museum.

Um ihren Plänen Nachdruck zu verleihen, haben sie bei Denkmalexperten des Lippischen Heimatbundes sogar ein Gutachten eingeholt, das eindeutig besagt: die ehemalige Lemgoer Tankstelle ist etwas Besonderes: „Ein weitgehend original erhaltenes Exemplar einer BP-Typentankstelle“, so etwas gebe es nur noch sehr selten.