Ärger in Borchen über Genehmigungen weiterer Windräder

Windräder

Ärger in Borchen über Genehmigungen weiterer Windräder

  • An die 25 neue Windräder in Borchen erwartet
  • Unmut über Kreis in Bevölkerung und Rat
  • Artenschutz und Flächennutzungsplan ignoriert

In Borchen sind in den vergangenen Tagen und Wochen vom Kreis Paderborn elf neue Windkraftanlagen genehmigt worden. 14 weitere stehen zur Genehmigung an. Darüber hat Bürgermeister Reiner Allerdissen in der gestrigen Ratssitzung informiert.

Bürgermeister fordert nachvollziehbare Rahmenbedingungen

Aus Kritik an dieser Entwicklung machte er keinen Hehl: Man sei nicht gegen Windkraft, aber für eine gerechte Verteilung. Die Akzeptanz für die Windkraft "kann nur und ausschließlich durch nachvollziehbare, umsetzbare und verlässliche Rahmenbedingungen hergestellt werden", hatte er schon am Tag vor der Sitzung (13.05.2020) in einem offenen Brief formuliert.

Ohnmachtsgefühl der Anlieger

In Borchen fühlen sich viele der knapp 14.000 Einwohner ohnmächtig, wenn es um Windräder geht. Im Gemeindegebiet produzieren bereits 52 Anlagen mehr als das Doppelte des eigenen Strom-Verbrauchs. Nun sind weitere Windräder genehmigt und in Planung genommen worden. Dagegen konnte die Verwaltung, so Borchens Bürgermeister, nichts ausrichten - trotz eines Flächennutzungsplans, der den jetzigen Planungen nicht entspricht.

Kreis Paderborn in Zwickmühle

Noch Ende 2020 hatte es zwischen Kreis und Kommune einen Konsens gegeben, dass nur noch Windkraftanlagen innerhalb der dafür vorgesehenen Zonen im Borchener Flächennutzungsplan genehmigt werden. Die Genehmigung weiterer Windkraftanlagen konnte der Kreis als genehmigungspflichtige Behörde allerdings nicht verhindern. Der Betreiber hatte vor dem Verwaltungsgericht Minden geklagt.

Genehmigung trotz Artenschutz-Auflagen

Auch das Gericht stellte die Voraussetzungen für die Planungen nicht in Frage. Deutlich machte der Gerichtsendscheid im Februar dieses Jahres aber auch, dass die Genehmigung nur gilt, wenn auf dem Gelände des zukünftigen Windparks keine schützenswerten Arten nachgewiesen werden könnten. Seit Wochen rätselt man nun in Borchen darüber, ob die Aussicht auf weitere Windanlagen mit der Tötung eines Rotmilan-Weibchen zu tun haben könnte.

Tötung eines brütenden, geschützten Vogels

Das Weibchen der unter Schutz gestellten Vogelart wurde mit Schrot erschossen, während es brütete. Der Bürgermeister hatte nur wenig Zweifel daran, dass diese Tötung mit den geplanten Windrädern in Zusammenhang stehen könnte. Sind seltene Arten wie Waldschnepfe, Baumfalke oder Rotmilan betroffen, gibt es Betriebsbeschränkungen: Die Windräder müssen dann von März bis Oktober zwischen Morgen-und Abenddämmerung stillstehen.

Kritik an Mutmaßung des Bürgermeisters

Brütendes Rotmilan-Weibchen in Borchen mit Schrot erschossen

Das Rotmilan-Weibchen wurde mit Schrot erschossen, während es brütete.

In einem offenen Brief kritisierte ein Sprecher des Bundesverbandes Windenergie BWE, dass Allerdissen den Tod des Vogels mit den Windrädern in Verbindung brachte. Damit hätte der Bürgermeister seine Neutralitätspflicht verletzt. Außerdem, so Korfmacher, sei es bedenklich, dass Allerdissen wiederholt Gerichtsentscheidungen kritisieren würde und somit den Rechtsstaat in Frage stelle.

Stand: 15.05.2020, 17:17