Hochkonjunktur für Bombenentschärfer in Soest

Kampfmittelbeseitigungsdienst in Soest 04:51 Min. Verfügbar bis 26.02.2020

Hochkonjunktur für Bombenentschärfer in Soest

Von Heinrich Buttermann

  • Vier Bomben auf einen Streich
  • Viele Explosionen vor den Toren der Stadt Soest
  • "Mein Job ist gefährlich, das weiß ich."

"Man muss ruhig bleiben, egal was passiert. Alles andere nutzt ja auch nichts." Zittrige Hände und Finger kann Karl-Heinz Clemens in seinem Job wirklich nicht gebrauchen. Der 57-Jährige ist einer der erfahrensten Bombenentschärfer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes.

Zu seinem Einsatzgebiet zählt der Kreis Soest – und dort wartet zur Zeit sehr viel Arbeit auf ihn. Allein auf einem Feld bei Soest wurden bisher 19 Blindgänger gefunden - und unschädlich gemacht.

Gleich vier 50-Kilo-Bomben auf einmal

Eine 50 Kilo Bombe

Jeder der vier Bomben wiegt 50kg.

Dieses Mal sind es gleich vier: Schon deshalb ist der Einsatz an diesem sonnigen Februarnachmittag eine Ausnahme. "Mal zwei, auch mal drei- das kommt schon mal vor- vier ist glaube ich - für mich eine Premiere". Wie viele Bomben der Paderborner bereits entschärft hat, weiß er nicht - vermutlich hunderte.

Besonders viele Bomben im Baugebiet

Auf dem Feld bei Soest soll bald ein neues Baugebiet entstehen. Alte Soester wissen: Da sind viele Bomben runtergegangen. Auf dem weichen Feld lösten die Zünder oft nicht aus. So blieben die Blindgänger über Jahrzehnte unentdeckt im Erdreich liegen. Durch die Auswertung alter Luftbilder und Untersuchungen mit Metalldetektoren wird das Gelände jetzt gesichert.

Fast wöchentlich gibt es Funde. "Routine wird das trotzdem nicht," sagt dazu Olaf Grewe vom Ordnungsamt. Er steht zusammen mit Einsatzkräften der Feuerwehr in sicherer Entfernung. Mehrere Landstraßen wurden gesperrt, direkt angrenzende Häuser evakuiert.

Gefährlicher Job

Eine Granate konnte nicht entschärft werden. Sie wird kontrolliert in die Luft gejagt.

Eine Granate wird kontrolliert gesprengt.

Karl-Heinz Clemens ist jetzt mit seinem Assistenten allein, in einem Radius von mehreren hundert Metern keine Menschenseele. "Sprechen Sie es ruhig aus. Ich weiß, dass das hier sehr gefährlich ist. Aber was nützt es, die muß ja jetzt entschärft werden." Karl-Heinz Clemens bleibt ruhig.

Jetzt muss er die Zünder aus den vier je 50 kg schweren Bomben herauszudrehen. "Die sind eher klein," sagt er dazu.  Seine größte Bombe hatte mit 1,5 Tonnen dreißig mal soviel Sprengkraft. Aber allen ist klar: Wenn bei dieser Entschärfung etwas schief geht, überlebt das im nahen Umfeld niemand.

Gefühl nach der Entschärfung: wie ein Marathonlauf

Nach zehn Minuten ist die erste Bombe entschärft. Bei der zweiten wird es schwieriger: Der Zünder hat sich beim Aufprall wohl verkantet, ist nicht so leicht herauszuschrauben. Nach zwanzig Minuten ist auch das geschafft. 

"Ich fühle mich danach wie nach einem Marathonlauf. Ich bin hoch konzentriert, und jetzt erstmal fix und fertig", sagt Karl-Heinz Clemens. Lob und Händeschütteln von Ordnungsamt und Feuerwehr, dann geht er zurück zum Transporter. Die vier jetzt harmlosen Bomben liegen hinten auf der Ladefläche.

Stand: 26.02.2019, 15:25