Münsters Bischof: "Ich habe Fehler gemacht"

Bischof Felix Genn

Münsters Bischof: "Ich habe Fehler gemacht"

  • Offener Brief am Freitag veröffentlicht
  • Genn bittet um Entschuldigung
  • Gespräch mit betroffenen Gemeinden geplant

In einem offenen Brief bittet Münsters Bischof Felix Genn um Entschuldigng für den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Darin bekennt er: "Ich habe Fehler gemacht." Dabei bezieht er auch seine Zeit von 2003 bis 2009 als Bischof von Essen ein.

Genn rückt in seinem am Freitag (22.11.2019) veröffentlichten Schreiben zwei Fälle in den Mittelpunkt: Zunächst geht er auf einen Priester aus dem Erzbistum Köln ein. Der heute 85-Jährige war - obwohl rechtskräftig wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt - in den siebziger Jahren weiter in der Seelsorge eingesetzt worden, auch in den Bistümern Essen und Münster.

"Verheerender Fehler"

Das sei ein "verheerender Fehler" gewesen, so Genn. Er bitte deshalb alle um Entschuldigung, "die sich jetzt hintergangen oder betrogen fühlen. Insbesondere gilt diese Bitte ausdrücklich denen, die der Priester missbraucht hat und die nicht verstehen können, dass er weiter als Priester tätig sein durfte."

Genn akzeptiert Wut und Verärgerungen

Wadersloh

Genn will auf die Kirchengemeinde in Wadersloh zugehen

Zweitens bezieht Genn Stellung zu einem Priester aus Kevelaer, der später auch in Wadersloh im Kreis Warendorf arbeitete. Nach Missbrauchsvorwürfen in Kevelaer war diesem auferlegt worden, nur noch "Gottesdienste ohne größere Öffentlichkeit" feiern zu dürfen, dies hatte der Mann aber missachtet. Genn selbstkritisch: "Ich hätte das Verbot sehr viel deutlicher formulieren müssen." Zudem hätte er die Wadersloher Gemeinde über die Vorgeschichte des Priesters aus Kevelaer umfassend informieren müssen. Er verstehe die Wut und Verärgerungen über die ausgebliebene Kommunikation. Er werde nun das Gespräch mit der Gemeinde in Wadersloh suchen.

Am Ende seines vierseiten Briefes schreibt Genn "Ich habe aus diesen Fehlern gelernt und lerne hier ständig weiter." Er fordert ein "System des aufmerksamen Hinsehens." Nur so könne es gelingen, sexuellen Missbrauch soweit wie möglich zu verhindern.

Umgang mit Missbrauch im Bistum Münster Lokalzeit Münsterland 21.11.2019 03:51 Min. Verfügbar bis 21.11.2020 WDR Von Heike Zafar, Detlef Proges

Stand: 22.11.2019, 13:12