Neunkirchen: Viele Flüchtlinge in Vollzeit-Beschäftigung

Flüchtlinge in Beschäftigung

Neunkirchen: Viele Flüchtlinge in Vollzeit-Beschäftigung



  • Bilanz: über 100 Flüchtlinge in Beschäftigung
  • Ehrenamtler als Arbeitsvermittler unterwegs
  • Flüchtlinge in Industrie und Handwerk

Vorstellungsgespräch für Ogtay Mamadov aus Wilnsdorf. Es geht um einen Job bei der Siegener Firma Perso Concept - ein wichtiger Termin für den Flüchtling aus Aserbaidschan. Gut, dass Hubert Multhaup nicht von seiner Seite weicht. Der ehrenamtliche Jobvermittler aus Neunkirchen hatte den Kontakt vermittelt und begleitet den 37-Jährigen zum Gespräch – das ist Teil seines Erfolgsrezepts.

Hubert Multhaup vermittelt über 100 Vollzeitjobs an Flüchtlinge

Seit Mai 2016 kümmert sich der 70-Jährige um die Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt - und seine Bilanz kann sich sehen lassen: Weit über hundert hat er schon einen Vollzeitjob besorgt, und das vor allem mit Flexibilität und Einsatz. Vorstellungsgespräche samstags sind für ihn ebenso wenig ein Problem wie die Flüchtlinge persönlich mit dem Auto abzuholen. Die meisten von ihnen arbeiten in der Industrie und im Handwerk. Dabei haben etliche eine akademische Ausbildung. "Die wird aber oft nicht anerkannt oder die Flüchtlinge haben keine Unterlagen darüber", so Multhaup.

Flüchtling war Vorarbeiter im Hochbau

Ogtay Mamadov könnte es ähnlich ergehen. In seiner Heimat Aserbaidschan hat er Architektur studiert und als Vorarbeiter im Hochbau gearbeitet. Aber nach erst 18 Monaten in Deutschland ist sein Deutsch zwar beachtlich, aber für eine Führungs- oder Verwaltungsarbeit reicht es nicht. Ogtay Mamadov ist sich dessen bewusst: "Ich mache erst mal alles. Ich werde weiter Deutsch lernen und mich dann weiterqualifizieren".

Für Flüchtlinge ist es schwierig an einen Job zu kommen

Benjamin Langenbach schaut sich die Unterlagen von Ogtay Mamadov an. Ihm ist klar, dass er für dessen Qualifikation keinen passenden Job finden wird. Langenbach ist Geschäftsführer von Perso Concept – eine Leihfirma aus Siegen. Inzwischen sind 30 Prozent seiner Vermittlungen Flüchtlinge. "Viele Firmen scheuen den Aufwand, einen Flüchtling direkt einzustellen. Wegen der Sprachbarriere und den Auflagen der Behörden sind sie betreuungsintensiv. Diese Arbeit nehmen wir ihnen ab", so Langenbach.

Hubert Multhaup räumt ein, dass er rund 50 Prozent seiner Kunden an Leihfirmen vermittelt hat. "Ich würde ihnen auch lieber Jobs direkt bei den Unternehmen besorgen, aber in der Realität ist das einfach nicht machbar", so Multhaup. Das gilt auch für Ogtay Mamadov: Sein erster Arbeitsplatz in Deutschland wird eine Maschine in der Kunststoffindustrie sein.

Stand: 12.12.2018, 09:51