BigBrotherAwards: Negativpreis verliehen

Verleihung des BigBrotherAwards 2021

BigBrotherAwards: Negativpreis verliehen

In Bielefeld wurde zum 21. Mal der BigBrotherAward verliehen. Den Negativpreis bekommen Firmen oder Institutionen für schlechten Datenschutz, Totalüberwachung und Daten-Sammelwut.

Der BigBrotherAward soll wachrütteln, Missstände bei Datenschutz und Überwachung aufzeigen und öffentlichen Druck aufbauen. Am Freitag wurde der Negativpreis in Bielefeld zum 21. Mal vergeben.

Ärzte geben Patientendaten weiter

Dass Ärzte Daten all ihrer Patienten ohne deren Wissen an ein Unternehmen weitergeben, klingt kaum vorstellbar. Doch genau das passiert, wenn ein Arzt den Terminbuchungsservice der Firma Docotolib in Anspruch nimmt. Das Unternehmen bekommt daher den BigBrotherAward in der Kategorie Gesundheit.

"Ich kann mir vorstellen, dass Doctolib ernsthaft Ärger bekommt, wenn Patientinnen und Patienten klar wird, dass ihre Daten von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin, denen sie vertrauen, übertragen wird", erklärt Rena Tangens, Vorstand des Vereins Digitalcourage und Teil der Jury für den BigBrotherAward. Das sei "völlig inakzeptabel".

Netzdenker: Sicherheit von Messengern

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Interviews 25.07.2020 05:35 Min. Verfügbar bis 24.07.2021 WDR 5


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"Das ist Populismus"

Eine weitere Auszeichnung geht an den Philosophen und stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Julian Nida-Rümelin. Seine Aussage, "der Datenschutz" habe die Bekämpfung von Corona erschwert und Tausende von Toten zu verantworten, sei populistisch und nicht haltbar.

Die Gesundheitsämter hätten häufig schon viel zu viele Daten gehabt, während sie mit Faxen und Telefonanrufen bereits überfordert gewesen seien, sagt Laudator padeluun: "Wenn ich dann noch mehr Daten an die Gesundheitsämter gebe, dann ist das völlig sinnlos."

Autos, die nach Hause telefonieren

Außerdem bekommt die Proctorio GmbH einen BigBrotherAward für ihre Software, die eine Totalkontrolle von Studierenden während Online-Prüfungen ermöglicht.

Die EU-Kommission erhält einen der Negativpreise, weil sie Autohersteller dazu verpflichtet, diverse technische Informationen von Autos aufzuzeichnen und zusammen mit der Fahrzeugidentifikationsnummer an die Hersteller zu übermitteln.

Zweiter Award für Google

Google bekommt nach einer Auszeichnung 2013 bereits seinen zweiten BigBrotherAward. Dieses Mal für die massive Manipulation des Internet-Werbemarktes, wie es in der Begründung heißt. "Es zeigt, dass Unternehmen einfach immer so weitermachen. Und das finde ich ganz, ganz erschreckend", sagt Jury-Mitglied padeluun.

"Oscars für Datenkraken"

Die BigBrotherAwards wurden 2000 vom Bielefelder Verein Digitalcourage ins Leben gerufen um Datenkraken in die Öffentlichkeit zu zerren. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehören Großkonzerne wie Microsoft oder Tesla genauso wie verhältnismäßig unbekannte Start Ups, die maßlos Daten sammeln oder Institutionen, Behörden und Politiker.

Die französische Zeitung Le Monde bezeichnete die BigBrotherAwards als "Oscars für Datenkraken". Die Auszeichnung wird in 19 Ländern vergeben, darunter Frankreich, die USA und Großbritannien.

Stand: 11.06.2021, 18:04