Big Brother Awards in Bielefeld verliehen

Krake mit Binärcode auf Theaterbühne

Big Brother Awards in Bielefeld verliehen

  • Big Brother Awards in Bielefeld verliehen
  • Negativpreise für schlechten Umgang mit Daten
  • Chefredakteur von Zeit Online übt Kritik

Der Verein Digitalcourage hat am Samstag (08.06.2019) in Bielefeld die Big Brother Awards verliehen. Die Negativpreise für den schlechten Umgang mit Daten vergibt eine Jury aus prominenten Bürgerrechtlern sowie Datenschutzexperten an Firmen, Organisatoren und Politiker.

Doch diesmal gab es bei der Preisverleihung auf offener Bühne eine Besonderheit. Normalerweise kommen die Preisträger eher selten, in diesem Jahr aber hat sich einer getraut.

Kritik an Recherchen der Jury

Unter anderem wurde das Nachrichtenportal "Zeit Online" für seine Nutzung von Google-Diensten beim Online-Diskussionsforum "Deutschland spricht" mit dem Negativpreis ausgezeichnet. Dabei könnten politischen Ansichten von Lesern auf Google-Servern in den USA gespeichert werden, fürchtet der Datenschutzverein Digitalcourage.

Den Award in Form einer kleinen Tonfigur nahm Chefredakteur Jochen Wegner persönlich entgegen. Er wies manche der Vorwürfe allerdings als falsch zurück. Die Begründung erhalte nicht nur Fehler, schreibt Zeit Online auch in ihrem Blog "Glashaus", auch seien Webseiten verwechselt worden.

Analysesoftware und Speichelproben

Ausgezeichnet wurden auch Peter Beuth, Innenminister von Hessen, für die Anschaffung und den Einsatz der Analyse-Software von einer US-amerikanischen Firma, die dem Geheimdienst CIA nahestehe.

Einen Award bekam auch die Firma Ancestry, weil sie Menschen mit Interesse an Familienforschung dazu verleitet, ihre Speichelproben einzusenden. Ancestry verkauft die Gendaten an die kommerzielle Pharmaforschung. Zu den Preisträgern gehört auch die Aachener Firma Precire für ihre Sprachanalyse-Software. Die analysiere Persönlichkeitsmerkmale von Kunden im Auftrag von Call Centern.

Stand: 09.06.2019, 10:35