Hass und Gewalt: Seit 25 Jahren Forschung in Bielefeld

Hass und Gewalt: Seit 25 Jahren Forschung in Bielefeld

Wie verbreitet sind rechtsextreme Einstellungen in Deutschland? Gibt es mehr antisemitische Tendenzen als früher? Und warum radikalisieren sich Menschen? Bei solchen Fragen führt in Deutschland kaum ein Weg vorbei am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.

Interdisziplinäre Ausrichtung einzigartig in Deutschland

Seit einem Vierteljahrhundert untersuchen die Forschenden hier Radikalisierung, Gewalt, Populismus, Extremismus und Diskriminierung, aus einem fachübergreifenden Blickwinkel. Immer wieder finden die Studien - etwa zu Rechtsextremen Einstellungen - bundesweite Beachtung.

Das Konzept der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" ist hier einst unter Gründungsdirektor Wilhelm Heitmeyer entstanden. Längst hat es Einzug gehalten in Wissenschaft, Medien und Politik. Selbst der "nationale Aktionsplan Rassismus" der Bundesregierung stützt sich auf die Forschung des Bielefelder Instituts.

Konflikte im Netz

Eines der großen Themen der Konfliktforscher ist das Konflikt- und Radikalisierungspotenzial im Internet. Laut des Institutsdirektors Andres Zick passiere Gewalt immer dann, wenn mangelnde Zivilcourage vorherrscht und Konflikte nicht konstruktiv gelöst werden. Dennoch "braucht die Demokratie den Konflikt" und deshalb müsse die Lösung von konstruktiven Konflikten in der Zivilgesellschaft gestärkt werden.

Forderung an Regierung nach Medienkompetenztraining

Darum stellt Zick im WDR-Interview klare Forderungen an die kommende Regierung. Bisher wurde das Recht und die Verfolgung innerhalb des Internets von der alten Bundesregierung geschärft. Auch seien Provider mehr in die Verantwortung gezogen worden, so Zick. Das reiche aber noch nicht aus und es fehle eine "Zivilgesellschaft in den sozialen Medien". Dafür brauche man laut des Institutsdirektors Medienkompetenztraining in Schulen und Betrieben, um Konflikten im Netz vorzubeugen.

Bielefelder Forschung ist international angesehen

Konfliktforscher Andreas Zick

Institutsdirektor Andreas Zick

Zick hat mehrfach die Bundesregierung beraten und gehört zum Redaktionsteam mehrerer internationaler Fachzeitschriften. Das International Journal of Conflict and Violence wird vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung herausgegeben.

Mehrere Veranstaltungen zum Jubiläum

Zum Jubiläum veranstaltet das Institut am Donnerstag und Freitag eine Fachtagung. Außerdem sind im Laufe des Semesters auch Vorträge und eine öffentliche Fotoausstellung geplant.

Stand: 28.10.2021, 08:45