Gegen Corona-Folgen: Stadt Bielefeld entwickelt Aktionsplan

Blick über Bielefeld

Gegen Corona-Folgen: Stadt Bielefeld entwickelt Aktionsplan

Die Stadt Bielefeld hat als eine der bundesweit ersten Großstädte einen Corona-Aktionsplan entwickelt. Dessen Maßnahmen sollen die bildungspolitischen und sozialen Folgen der Pandemie abmildern.

Unter dem Motto "Bielefeld hält zusammen" umfasst der Entwurf des Aktionsplans insgesamt 60 Maßnahmen. Im Fokus dabei stehen vor allem Familien.

Ziel: Soziale und bildungspolitische "Corona-Schäden" mindern

Mit dem Plan will die Stadt nach eigenen Angaben Kindern und ihren Eltern den Einstieg in einen normalen Alltag erleichtern und "eine weitere Spaltung der Gesellschaft verhindern". Besonders für ohnehin benachteiligte Gruppen hätten Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen und fehlende Freizeitangebote Folgen, so die Verwaltung.

Bewegungsangebote und Sprachförderungskurse

Der Aktionsplan soll weiterhin Teilhabe, Bildung, Sprache und Chancengleichheit für alle Menschen zu ermöglichen, erläutert Sozialdezernent Ingo Nürnberger: "Die Kinder haben in der Schule viel aufzuholen. Viele Bürger*innen, junge wie alte, haben sich zu wenig bewegt, hatten kaum schöne Erlebnisse und schieben Frust. In vielen Familien kam es zu Überlastungssituationen. Unter anderem darauf reagiert der Aktionsplan."

Dabei setzt die Stadt auf unterschiedliche kurz- und langfristige Ansätze; beispielsweise auf Sprachförderung für Frauen mit Migrationshintergrund, Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche oder die Bekämpfung von Gewalt in Familien.

Kritik von Studierenden der Universität und Fachhochschule

Die Fachschaften der Universität Bielefeld kritisieren in einem Brief an Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen den Aktionsplan. Darin seien Studierende vor allem darin vorgesehen, als "Instrument" den Plan umzusetzen. So sollen sie zum Beispiel Lehrerinnen und Lehrer in Schulen entlasten. Außerdem zeigen sie sich enttäuscht darüber, dass bei der Erarbeitung des Plans kein Studierendenvertreter aktiv eingeladen worden sei.

Studierende fordern mehr Unterstützung

Zwar begrüßen die Verfasser des Briefs insgesamt den Plan, fordern aber für ihre Gruppe mehr Unterstützung. Es gebe nur eine Maßnahme für die jungen Menschen: Hilfe für internet- und PC-abhängige Studierende. Das sei zwar wichtig, aber zu kurz gedacht.

Die Studiereden wünschen sich eine bessere psychologische Betreuung , da die Pandemie zu einer stärkeren Isolation geführt habe. Außerdem regen sie eine Erstattung für das Semesterticket an. Schließlich habe man die Studierenden aufgefordert, sich einzuschränken.

Mit dem jetzigen Aktionsplan fühle man sich "nicht nur auf Landes- und Bundesebene, sondern nun auch auf kommunaler Ebene in Bielefeld von der Politik nicht ausreichend repräsentiert."

Kosten von mehr als vier Millionen Euro

Die Schritte reichen bis ins Jahr 2023 und sollen ca. 4,2 Millionen Euro kosten. Bund und Land sollen den Plan in vielen Teilen finanziell fördern.

Am Donnerstag wollen etwa 200 Teilnehmende aus Politik, von freien Trägern, aus der Bürgergesellschaft und der Verwaltung auf einer Zukunftskonferenz über die Maßnahmen diskutieren, bevor der Rat am 24. Juni über den Plan entscheidet.

Stand: 17.06.2021, 11:18