Suizidprävention: Forschung an neuer Behandlungsmethode

Evangelisches Klinikum Bethel

Suizidprävention: Forschung an neuer Behandlungsmethode

Von Silke Schmidt

Das Evangelische Klinikum Bethel hat eine in Deutschland neue Behandlungsmethode zur Suizidprävention vorgestellt - CAMS. Dabei wird der Patient zum Mitverfasser seines eigenen Behandlungsplans.

Die Methode wurde bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention vorgestellt, die in diesem Jahr vom Evangelischen Klinikum Bethel organisiert wurde. 

Bis vor einigen Jahren gab es kaum Nachweise für wirksame Behandlungsmethoden in der Suizidprävention. Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland etwa 10.000 Menschen das Leben. Experten schätzen, dass auf einen Suizid etwa 10 bis 20 Suizidversuche kommen.

CAMS – eine Interventionsmethode aus den USA

„Umbringen können Sie sich später auch noch – die Option bleibt Ihnen ja“. So viel Direktheit erscheint im ersten Moment sehr unsensibel im Umgang mit einem Suizidgefährdeten. Die Bielefelder Psychotherapeutin Miriam Santel hat diesen Satz aber ganz bewusst im simulierten Therapiegespäch fallen lassen. Er ist zentral bei der sogenannten CAMS-Methode.

CAMS steht für „Collaborative Assessement and Management of Suicidality“ und wurde von dem amerikanischen Psychologen David Jobes in den letzten 30 Jahren entwickelt. In deutschen Kliniken wird sie bisher noch nicht angewendet.

Die Scheu, neue Methoden auszuprobieren, sei bei vielen Kollegen groß, sagt Santel. Schließlich trügen Therapeuten eine große Verantwortung. Ihre Vorgesetzte geht sogar noch etwas weiter: Suizidalität sei etwas vor dem viele Therapeuten Angst hätten, sagt die therapeutische Leiterin Kristina Hennig-Fast: „Es ist ein vermiedenes Thema, auch unter Fachleuten zum Teil.

Miriam Santel dagegen will alle Möglichkeiten kennenernen. Sie hat die CAMS-Methode aus den USA in Bielefeld getestet. 84 Patientinnen und Patienten mit Suizidgedanken haben an einer Studie teilgenommen.

Der Patient als Co-Therapeut

Zu Beginn steht ein Versprechen: Der Patient muss dem Therapeuten zusagen, sich im Verlauf der Behandlung nicht selber zu töten. Und dann folgt das Stühlerücken. Der Therapeut bittet den Patienten, neben diesem sitzen zu dürfen, um strukturierte Fragebögen gemeinsam auszufüllen. Die Idee dahinter: den Suizidwunsch des Patienten besser zu verstehen, ihn aus derselben Perspektive wahrzunehmen. Es gehe um eine völlig andere Herangehensweise, erklärt Santel. Der Patient werde zum Mitverfasser seines eigenen Behandlungsplans.

Nicht immer seien psychische Erkrankungen Ursache für Suizidgedanken. Therapeut und Patient analysieren bei CAMS gemeinsam, was dahinter steckt: Das könne zum Beispiel auch eine lange Arbeitslosigkeit sein – oder Probleme in der Partnerschaft.

Ermutigende Anzeichen für Wirksamkeit

Internationale Studien belegen, dass die CAMS-Methode im Vergleich zu üblichen Behandlungsmethoden zu einer deutlichen Verringerung von Suizidgedanken führt. Auch nach einem Jahr fühlten sich mit CAMS behandelte Patienten deutlich besser. Allerdings fehlen hierzu noch sichere Daten.

Am Klinikum Bethel versucht Therapeutin Miriam Santel mit ihren Kollegen weiter, Licht in das "dunkle Forschungsfeld" zu bringen. Die Ergebnisse der Bielefelder Studie sollen bald veröffentlicht werden.

Informationen zu Hilfsangeboten gibt es hier:

Stand: 21.09.2021, 06:43