Bethel: Weiteres Vergewaltigungsopfer von Assistenzarzt meldet sich

Blick den Eingang des Evangelischen Klinikums Bielefeld Bethel

Bethel: Weiteres Vergewaltigungsopfer von Assistenzarzt meldet sich

Nach den Vergewaltigungen im Evangelischen Klinikum Bethel durch einen Assistenzarzt hat sich ein weiteres Opfer gemeldet. Nach den Angaben der Frau wusste die Klinikleitung schon früher als bisher bekannt von den Vorwürfen gegen den Täter.

Nach den Angaben ihres Rechtsanwalts Daniel Farrokh aus Bad Oeynhausen war seine Mandantin im August 2019 Patientin in der Klinik in Bielefeld. Mitten in der Nacht sei der Arzt zu ihr gekommen und habe sie durch eine Infusion betäubt. Bei der Visite habe sie dann Chefarzt, Oberarzt und eine weitere Ärztin gefragt, was es mit dem nächtlichen Besuch auf sich habe. Der Chefarzt habe nur in seine Akte geschaut und gesagt, dass darin nichts vermerkt sei. Kurz danach wurde die Patientin aus dem Krankenhaus entlassen.

Hinweise wurden nicht ernst genommen

Nach Angaben des Klinikums gab es erst im September 2019 Hinweise an die Klinikleitung, dass mit dem Assistenzarzt etwas nicht stimmen könne. Nach einem ähnlichen Vorfall hatten sich damals zwei Patientinnen beim Chefarzt über den Arzt beschwert – ihre Hinweise seien aber nicht ernst genommen worden (der WDR berichtete mehrfach darüber). Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins Kontraste hatten Pflegekräfte spätestens Ende des Jahres 2019 Hinweise auf den Arzt gemeldet: „Er kam zur Arbeit, obwohl er frei hatte und krank gemeldet war. Zusätzlich kam unter den Pflegekräften die Vermutung auf, dass er den Patientinnen doch mehr antut“.

Täter nahm sich 2020 das Leben

Erst im April 2020 wurde der Assistenzarzt von der Klinik freigestellt, weil die Polizei gegen ihn ermittelte. Die konkreten Vergewaltigungsvorwürfe wurden dann erst im September 2020 öffentlich bekannt, als die Polizei Videos entschlüsselt hatte, die sie bei dem Mann gefunden hatte. Er nahm sich kurze Zeit später in der Untersuchungshaft das Leben.

Die Mandantin von Daniel Farrokh erfuhr erst im Januar 2021 von den Vergewaltigungen in Bethel. Sie ging daraufhin zur Polizei in Bielefeld – wo ihr sogleich bestätigt wurde, dass sie oral vergewaltigt wurde. Der Arzt hatte auch bei ihr alles auf Video aufgenommen.   

Staatsanwaltschaft informiert nicht alle Opfer

Rechtsanwalt Daniel Farrokh kritisiert vehement, dass weder seine Mandantin noch viele andere potentielle Opfer nicht von den ermittelnden Behörden informiert wurden. Vor allem auch deshalb, weil bei dem Täter eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert wurde. Laut Staatsanwaltschaft seien inzwischen mehrere Opfer informiert – allerdings nur dann, wenn sie selbst - aufgrund eines Verdachts - bei den Behörden nachgefragt hatten.

Gegen mehrere Ärzte des Klinikums wird inzwischen ermittelt – der Vorwurf: sie hätten die Vergewaltigungen verhindern können, wenn sie den Hinweisen auf den Arzt nachgegangen wären. Die Klinik wollte sich wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Das ARD-Politikmagazin Kontraste berichtet heute Abend um 21.45 im Ersten über den Fall.

Stand: 15.04.2021, 15:20