Flüchtlinge misshandelt - Informant belastet Verwaltung

Was wusste die Bezirksregierung? 04:23 Min. Verfügbar bis 19.12.2019

Flüchtlinge misshandelt - Informant belastet Verwaltung

Von Fritz Sprengart

  • Bezirksregierung Arnsberg hat Polizei Akten vorenthalten
  • Ermittlungsakten zeigen Überforderung mit Flüchtlingsunterkunft
  • Zwei Mitarbeiter angeklagt

Haus 26, Zimmer 126. Hier haben die beiden Mitarbeiter der Bezirksregierung in Burbach gearbeitet. Direkt gegenüber waren damals gleich zwei sogenannte Problemzimmer. Hier wurden Flüchtlinge eingesperrt und geschlagen. Die Verwaltungsangestellten L. und K. sitzen deshalb heute auf der Anklagebank. "Ihnen wird Freiheitsberaubung vorgeworfen", erklärt Gerichtssprecher Sebastian Merk. "Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie davon wussten und nichts dagegen unternommen haben."

Waren Misshandlungen in Arnsberg bekannt?

Undatierte Handout der Polizei: Zwei Sicherheitsleute, die in der ehemaligen Siegerland-Kaserne in Burbach einen am Boden liegenden Flüchtling misshandeln

In Burbach wurden Flüchtlinge misshandelt

Aber wenn L. und K. davon gewusst haben sollen, ist es dann nicht auch wahrscheinlich, dass sie ihre Vorgesetzten in der Bezirksregierung Arnsberg informiert haben? Warum sind also nur die beiden angeklagt? Ali Öztürk hat unmittelbar nach dem Misshandlungsskandal für die Bezirksregierung in Burbach gearbeitet. Er sieht die Mitarbeiter vor Ort eher als Opfer. "Wir haben teilweise keine Antworten bekommen auf gravierende Hinweise oder Missstände. Wir waren auf uns allein gestellt."

Bezirksregierung hat nur unzureichend mit der Polizei kooperiert

Auszüge der Ermittlungsakte sind der Wochenzeitung Siegerlandkurier zugespielt worden. Sie liegen auch dem WDR vor. Daraus geht hervor, dass die Bezirksregierung mit der Verwaltung der Einrichtung überfordert war. Die Polizei hat immer wieder Akten von der Bezirksregierung für ihre Ermittlungen angefordert. Doch die Bezirksregierung hat die Akten nicht geliefert.

Burbach Flüchtlingsunterkunft

Die Flüchtlingsunterkunft in Burbach

Der zuständige Kommissar vermerkt wörtlich: "Es ist fraglich warum, trotz klarer Vorabsprachen, seitens der Bezirksregierung Arnsberg die behördliche Mitwirkungspflicht nicht umfänglich wahrgenommen wird." Der zuständige Mitarbeiter in der Bezirksregierung rechtfertigt sich laut Akte mit dem Chaos, das in der Bezirksregierung herrschte. Wörtlich ist von einer "Mangelverwaltung" die Rede.

Keine Äußerung zu Vorwürfen

"Ich weiß, dass die Bezirksregierung diese Akten nicht rausgegeben hat", bestätigt unser Informant Ali Öztürk. Er hat damals in der entsprechenden Abteilung gearbeitet. "Die Staatsanwaltschaft Siegen hat daraufhin unsere Räume durchsucht."

Die Bezirksregierung will sich zu den Vorwürfen momentan nicht äußern. Der Pressesprecher beruft sich auf das laufende Verfahren.

Stand: 19.12.2018, 06:56