Blick den Eingang des Evangelischen Klinikums Bielefeld Bethel

Vergewaltigungen in Bethel: Anzeige gegen Verantwortliche bei Staatsanwaltschaft

Stand: 18.02.2022, 16:45 Uhr

Die Vergewaltigungen im Evangelischen Klinikum Bethel haben weitere juristische Folgen. Eine Opferanwältin hat jetzt Anzeige gegen die Verantwortlichen bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld erstattet.

Mindestens 30 Frauen sollen vor Jahren von einem Assistenzarzt in der Klinik betäubt und vergewaltigt worden sein. Der Täter hatte eine Geschlechtskrankheit, die Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten auslösen kann.

Anzeige wegen Körperverletzung gegen Staatsanwälte in Bielefeld

Nachdem sich der Täter 2020 nach seiner Festnahme umgebracht hatte, entschied sich die Staatsanwaltschaft Bielefeld dennoch dazu, die Opfer nicht zu informieren. Bei mindestens einer Frau wurde die Krankheit festgestellt - eine Anwältin hat deshalb jetzt Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Opfer waren Staatsanwaltschaft bekannt - informiert wurden sie nicht

Der Assistenzarzt hatte seine Taten gefilmt und die Aufnahmen mit den Namen der Frauen beschriftet. Daher waren sie den Bielefelder Ermittlungsbehörden bekannt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld begründete die Entscheidung, den Frauen nicht Bescheid zu geben, nach dem Tod des Täters mit dem Opferschutz.

Opferanwältin Stefanie Höke im O-Ton

00:47 Min. Verfügbar bis 18.02.2023


Inzwischen werden aber immer mehr Frauen informiert. Das übernimmt die Staatsanwaltschaft Duisburg, die jetzt die Ermittlungen führt.

Duisburg übernimmt Fall Bethel: Befangenheit der Generalstaatsanwaltschaft?

Im November 2021 hatte das NRW-Justizministerium den Fall an die Staatsanwaltschaft Duisburg übergeben. Das Ministerium begründet gegenüber dem ARD-Magazin "Kontraste" erstmals seine Entscheidung: Es bestehe (…) Besorgnis einer möglichen Befangenheit auf Seiten der Generalstaatsanwaltschaft Hamm.

Vorwürfe gegen Chefarzt: Täter gedeckt?

In "Kontraste" werden außerdem neue Vorwürfe laut: Der Chefarzt soll angeordnet haben, trotz mehrerer Hinweise von Patientinnen den jungen Arzt zu schützen. Er übernehme viele Nachtschichten und man wolle ihm seine Karriere nicht verbauen.

Zu den neuen Vorwürfen wollten sich Chefarzt und Klinik "Kontraste" gegenüber nicht äußern. Das Krankenhaus teilt aber mit, dass "der Wille zur Aufarbeitung und zur Hilfe für die Opfer" weiterhin gelte.

Im Herbst hatte bereits ein weiteres Opfer Strafanzeige gegen den Chefarzt der Neurologie und einen ehemaligen Oberarzt gestellt.

Über dieses Thema berichten wir am 18.02.2022 in der Lokalzeit OWL im WDR Fernsehen.