Besuchshund für Emily 04:01 Min. Verfügbar bis 11.02.2022

Lippetal: Besuchshunde für Kinder mit Behinderung

Kindern mit lebensverkürzender Erkrankung oder Behinderung Freude und Wohlbefinden schenken: Das will der Verein "Tiere bauen Brücken" aus Lippetal mit Besuchshunden erreichen. Die Hunde werden ausgebildet und nach Bedarf eingesetzt. Wie, das erzählt die Gründerin des Vereins im Interview.

Nicole Warnke mit ihren beiden Hunden | Bildquelle: WDR

Seit 2019 setzt sich der Verein "Tiere bauen Brücken" aus Lippetal für kranke und lebensverkürzt erkrankte Kinder ein. Er bildet Mensch-Hund-Teams aus, die ehrenamtlich in Familien, Schulen und Kindergärten für eine gute Zeit, Lebensfreude und Wohlbefinden sorgen wollen. Ohne dass dabei ein therapeutisches Ziel verfolgt wird, betont die Vereinsgründerin, Nicole Warnke.

WDR: Frau Warnke, wie beschreiben Sie einen Besuchshund?

Nicole Warnke: Ein Besuchsund ist ein Hund mit besonders freundlichem Wesen, Menschen zugewandt, der auch eine Ausbildung vom Verein genossen hat und einen Wesenstest durchlaufen hat. Er geht mit seinem Hundeführer zu Besuch im Unterschied zu einem Assistenzhund, der als praktische Lebenshilfe bei einem behinderten Menschen lebt und ihn im Alltag unterstützt. Ein Besuchshund soll für Ruhe, Entspannung, Freude und Wohlbefinden sorgen.

WDR: Wie wird ein Besuchshund ausgebildet?

Emily streichelt den Besuchshund Henry auf einer Wiese | Bildquelle: WDR: Ayla Pilli

Warnke: Das geht über sieben bis acht Monate mit mehreren Intensivwochenenden und Trainings alle zwei Wochen dazwischen. Es geht vorwiegend darum, dass Hund und Mensch eine gute Bindung entwickeln. Der Hund sollte natürlich einen Grundgehorsam mitbringen. Dann werden praktische Übungen gelernt, dass der Hund zum Beispiel verlässlich am Platz liegen bleibt. Und er lernt kleine Tricks, wie etwa Würfeln oder eine Acht durch die Beine laufen.

Der Verein "Tiere bauen Brücken" verfolgt die Vision eines Lebenshofes. Organisatorin Nicole Warnke wünscht sich, dass sich dort Kinder mit Behinderung oder lebensverkürzenden Erkrankungen und Tiere, möglichst aus dem Tierschutz, begegnen können. Sie würde dort gern "Lebensplätze" einrichten, wo die Kinder tatsächlich wohnen können. "Uns ist es ein großes Anliegen, die Vorzüge einer Tier-Mensch-Bindung bekannter zu machen und in den Vordergrund zu holen", so Nicole Warnke.

WDR: Für wen kann das Angebot sinnvoll und hilfreich sein?

Emily und Besuchshund Henry beim Kuscheln. | Bildquelle: WDR: Ayla Pilli

Warnke: Im Prinzip für jedes Kind oder jeden Menschen, der eine Affinität zu Hunden hat. Es geht natürlich nicht, wenn jemand Hundepanik oder eine Allergie hat. Man sollte einfach Freude an einem Tier haben und an der Kommunikation mit einem Hund. Ein Hund wertet nicht, der nimmt das Kind so, wie es ist, egal mit welchem Handicap und kommuniziert ganz viel über Körpersprache und Ausdruck.

WDR: Sind Sie überwiegend in Einrichtungen unterwegs?

Warnke: Einerseits in allen Einrichtungen, wo Kinder sind, da wir als Verein auch vorwiegend auf Kinder spezialisiert sind. Also in Kindergärten, Schulen, Einrichtungen für behinderte Kinder. Aber auch in Privatfamilien. Manchmal ist es auch so, dass wir in der Ausbildung merken, der Hund kann gar nicht so gut mit Kindern umgehen dafür aber mit älteren Menschen, deshalb sind wir aktuell auch in einem Seniorenheim im Einsatz. Es muss auch immer darum gehen, dass der Hund das macht, was ihm Freude bereitet.

WDR: Woran messen Sie Erfolge, wenn ein Besuchshund Zeit mit einem kranken Kind verbringt?

Emily und Besuchshund Henry liegen kuschelnd auf dem Boden | Bildquelle: WDR:Pilli, Ayla

Warnke: Wenn ich ein Kind lachen und voller Freude sehe. Oder wenn ein Kind, das vorher unkonzentriert und sprunghaft ist, sich auf Situationen einlassen kann. Ich begleite zum Beispiel einen Jungen im Rollstuhl, der immer sehr zusammengesunken da sitzt. Aber sobald der Hund in den Raum kommt, verfolgt der Junge ganz bewusst mit seinen Augen, was der Hund macht. Manchmal sind es diese kleinen Fähigkeiten, die ein Kind entwickelt, die ganz entscheidend sind.

Das Interview führte Ayla Pilli