Bertelsmann Stiftung: Höheres Armutsrisiko für Alleinerziehende

Stand: 15.07.2021, 06:00 Uhr

Arm trotz Arbeit: Alleinerziehende leben mit einem höheren Risiko, von Einkommensarmut betroffen zu sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

"Durch die Trennung kam ich in eine Situation, wo ich ein paarmal haarscharf an Hartz-IV vorbeigeschrappt bin", erzählt Sara Buschmann. Bis zur Geburt ihrer Tochter habe sie nach dem Studium immer in Vollzeit gearbeitet. Das änderte sich vor gut drei Jahren: "Es ging schon damit los, dass meine Tochter Schwierigkeiten mit der Eingewöhnung hatte." Die 42-Jährige reagierte und entschied sich für den Umzug von Berlin nach Rheda-Wiedenbrück. Dort kann ihre Familie helfen, auch die Wohnung ist günstiger.

Schwierigkeit: Job und Kinderbetreuung miteinander vereinbaren

So wie Sara Buschmann geht es vielen Alleinerziehenden, die meisten von ihnen sind Mütter. Eine neue Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersucht die Situation von sogenannten "Ein-Eltern-Familien". Das Ergebnis: Alleinerziehende haben ein besonders hohes Risiko, in Armut zu leben – auch wenn sie arbeiten.

"Fast die Hälfte aller Alleinerziehenden sind vollzeitnah beschäftigt", sagt Sarah Menne von der Bertelsmann Stiftung, "trotzdem reicht es oft nicht aus. Denn der Job muss ja auch mit der Betreuung ihrer Kinder vereinbar sein." Viele Mütter seien deshalb unterhalb ihres Qualifikationsniveaus beschäftigt.

Corona wird für Alleinerziehende zur Belastung

Die Studie untersucht Daten aus dem Jahr 2019, damals lebten in Nordrhein-Westfalen rund 325.000 alleinerziehende Familien mit Kindern. 43 Prozent von ihnen bekamen Arbeitslosengeld, mehr als im Bundesdurchschnitt.

Die Situation war schon vor Corona schwierig, nun fürchtet Sarah Menne eine noch größere Belastung für "Ein-Eltern-Familien": "Wenn Alleinerziehende von Armut betroffen sind, dann leben sie häufig in beengten Wohnverhältnissen, haben eine schlechtere digitale Ausstattung. Das hat die Kinder am Distanzlernen gehindert und Eltern dann zusätzlich belastet."

Studie erfordert Erleichterungen

Zwar sei der Kampf gegen Kinderarmut in den Fokus der Politik gerückt, bilanziert die Bertelsmann Stiftung, allerdings brauche es weitere Erleichterungen für Alleinerziehende. Es brauche weitere Reformen, zum Beispiel die Einführung eines Teilhabegeldes, das finanzielle Leistungen für Kinder zusammenfasst.

Armut in Deutschland – Wenn es nicht mal für das Nötigste reicht Planet Wissen 26.11.2019 58:13 Min. UT Verfügbar bis 26.11.2024 WDR

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