Anschlag auf Zug: Beweisstücke beim Lokführer

Lokführer unter Verdacht 00:33 Min. Verfügbar bis 25.04.2020

Anschlag auf Zug: Beweisstücke beim Lokführer

  • Kanaldeckel gegen Zug bei Bad Berleburg
  • Lokführer vorübergehend verhaftet
  • Verdächtig wegen Fundstücken und Tatortspuren

In den Wohnungen eines 49-jährigen Lokführers in Lünen und Erndtebrück sind bei Durchsuchungen mögliche Beweisstücke sichergestellt worden. Diese belasteten ihn selbst wegen eines angeblichen Anschlages auf einen Regionalzug. Das geht aus einem am Dienstag (15.05.2019) veröffentlichten Bericht des Innenministeriums an den Landtag hervor.

Der Lokführer hatte in der Nacht zum 13.04.2019 einen Regionalzug gefahren, der nahe Bad Berleburg durch Gullydeckel beschädigt wurde.

Zwei Kanaldeckel waren von einer Brücke auf die Höhe der Lokführer-Kabine abgeseilt worden, ein dritter Kanaldeckel lag im Gleisbett. Die schweren Deckel durchschlugen die Frontscheibe des Zuges. Bei dem Lokführer seien Schneidwerkzeuge, Handschuhe und eine Seilaufhängung mit ähnlicher Knotenführung gefunden worden, wie sie auch an dem Brückengeländer verwendet wurden, heißt es in dem Bericht.

DNA-Spuren an mehreren Orten

Polizisten hatten den 49-Jährigen bereits am Mittwoch (24.04.2019) vorübergehend festgenommen. Tags darauf teilte die Ermittlungsbehörde mit, der Lokführer selbst sei "insbesondere durch die Auswertung der Tatortspuren" in den Fokus der Ermittlungen geraten.

Nach WDR-Informationen wurden DNA-Spuren von dem Verdächtigen nicht nur am Tatort gefunden, sondern auch in Hilchenbach. Und zwar an der Stelle, an der die drei Kanaldeckel für die Tat in Bad Berleburg entwendet worden waren. Belastende Spuren fanden sich auch im Auto des Mannes.

15.04.2019, NRW, Siegen: Ein Zug der Hessischen Landesbahn steht mit zerstörter Frontscheibe in der Werkstatthalle in Siegen.

Der beschädigte Zug

Der Lokführer bestreite die Tat und sei "mangels Haftgründen" wieder auf freien Fuß gesetzt worden, so die Staatsanwaltschaft. Zum Zeitpunkt des angeblichen Anschlags saßen außer dem Lokführer keine Personen in dem Zug.

Lokführer bis auf Weiteres beurlaubt

Die Hessische Landesbahn (HLB) spricht von "einem schwerwiegenden Vorwurf, der uns tief getroffen hat." Der Verdächtige sei längere Zeit für die HLB gefahren, aber über eine Leiharbeitsfirma beschäftigt gewesen, teilte das Bahnunternehmen dem WDR mit.

Der Lokführer sei bis auf Weiteres beurlaubt, sagte eine HLB-Sprecherin. Nach dem Vorfall sei er nicht mehr im Einsatz gewesen, weil krank geschrieben.

Stand: 15.05.2019, 11:05