Neue Beratungsstelle für Arbeitsmigranten in Lengerich

Drei Menschen halten ein weißes Banner mit der Aufschrift: "Aktion Würde & Gerechtigkeit"

Neue Beratungsstelle für Arbeitsmigranten in Lengerich

  • Anlaufstelle für Menschen aus Bulgarien und Rumänien
  • Berichte über ausbeuterische Verhältnisse
  • Rechtliche Beratung für die Arbeiter geplant

In Lengerich startet am Freitag (06.03.2020) eine spezielle Beratungsstelle für Arbeitsmigranten. Sie richtet sich vor allem an Menschen aus Bulgarien und Rumänien, die zu Billig-Löhnen arbeiten. Betrieben wird die Beratungsstelle vom neu gegründeten Verein "Würde und Gerechtigkeit" aus Lengerich.

Pfarrer Peter Kossen, der Vorsitzende des Vereins, kümmert sich seit Jahren um die Osteuropäer, die in Lengerich vor allem in der Fleisch verarbeitenden Industrie beschäftigt sind. Er spricht von "schweren Menschenrechtsverletzungen" und bezeichnet die Situation für Arbeitsmigranten als "moderne Sklaverei".

Aufklärung über Arbeitnehmerrechte

Konkret gehe es beispielsweise um Kündigungen im Krankheitsfall, unbezahlte Überstunden und fehlende Zuschläge für Nacht- und Feiertagsarbeit. Besonders oft seien diese Zustände in der Fleischindustrie anzutreffen, aber auch bei Paketzustellern, im Reinigungsgewerbe oder der Metallindustrie.

Mit Hilfe der neuen Beratungsstelle sollen sich die Menschen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten gegen zum Beispiel Ausbeutung und Arbeitszeitüberschreitungen wehren können. Die Beratungen sind kostenlos und in der Muttersprache der Betroffenen, denn die kämen oft aus Osteuropa, teils auch aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Ärmliche Wohnverhältnisse zu Wucherpreisen

Ein Wohnblock

In diesen Wohnblocks werden die Arbeiter und ihre Familien untergebracht

Allein in Lengerich leben derzeit rund 1100 Menschen aus Bulgarien und Rumänien mit ihren Familien in Wohnblocks. Unter ihnen auch viele Kinder, die zum Teil in sehr beengten Verhältnissen leben müssen.

Nach Auskunft von Arbeitern, die anonym mit dem WDR gesprochen haben, zahlen sie für einen Schlafplatz in einem Mehrbettzimmer 250 Euro im Monat. Rund 10 Menschen wohnen zusammengepfercht in den Wohnungen. Die Arbeitskräfte aus Osteuropa werden oft über eine Kette von Subunternehmern in die jeweiligen Firmen vermittelt und arbeiten fast ausschließlich im Niedriglohn-Sektor.

Stand: 06.03.2020, 10:46